Finnland im Zentrum der Eiskunstlauf-Szene

Zu den Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften 2017 kommen Fans aus der ganzen Welt in der finnischen Hauptstadt zusammen.

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Als Finnland zum ersten Mal die Eiskunstlauf-WM veranstaltete, gehörte das Land noch als Großherzogtum dem Russischen Reich an. Man schrieb das Jahr 1914, drei Jahre ehe Finnland seine Unabhängigkeit erlangte. Der Schwede Gösta Sandahl wurde damals auf der gefrorenen Meeresoberfläche des Helsinkier Nordhafens zum Weltmeister im Einzellauf gekürt.

In dieser Zeit fanden noch keine Wettkämpfe für Männer, Frauen und Paare am selben Austragungsort statt. So war St. Moritz in der Schweiz damals der Veranstalter für die Damen- und Paarwettbewerbe. 1952 fügte die Internationale Eislaufunion der WM-Ordnung dann den Eistanz hinzu und schuf damit ein Spektakel mit vier Disziplinen.

Vom 29. März bis 2. April 2017 werden die Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften wieder in Helsinki abgehalten, diesmal in der Hartwall-Arena mit Wettbewerbern aus mehr als 30 Ländern. Die WM fällt mit Finnlands hundertjährigem Jubiläum zusammen und verspricht, eine kombinierte Feier von unvergleichlichem Eiskunstlauf und fortgesetzten stadtweiten Festlichkeiten zu Ehren der 100 Jahre finnische Unabhängigkeit zu werden. Eines der wohl ungewöhnlichsten Begleitereignisse der Weltmeisterschaften ist eine von Finnlands bekannter Kriminalautorin Leena Lehtolainen geschriebene, offizielle Helsinki-2017-Kriminalgeschichte mit dem Titel „Das Geheimnis um den verschwundenen Eiskunstläufer“ („The Mystery of a Missing Skater“). Der Krimi wird in Raten online auf Englisch veröffentlicht. (Siehe Link weiter unten).

Olympiade im Visier

Die Siegerin der finnischen Eiskunstlauf-Nationalmeisterschaften 2017, Emmi Peltonen, schwingt sich hoch über dem Eis durch die Lüfte.Foto: Jaroslav Ozana/ CTK/Lehtikuva

Die alljährlichen Weltmeisterschaften im Eiskunstlauf sind die prestigeträchtigsten Titelkämpfe, die von der ISU gesponsert werden, zu denen auch die Europameisterschaften, die Vier-Kontinente-Meisterschaften und die Junioren-Weltmeisterschaften gehören. Nur die olympische Medaille gilt als eine höhere Leistung im Eiskunstlauf als die Platzierung in der WM.
Helsinki ist darüber hinaus ein wichtiger Webereiter für die Olympischen Winterspiele 2018 im südkoreanischen Pyeongchang, denn durch die WM 2017 wird die Anzahl der olympischen Teilnehmer für jedes Land bestimmt.

Der Wettbewerb der Damen in Helsinki umfasst 38 Teilnehmerinnen, darunter die finnische Nationalmeisterin 2017, Emmi Peltonen. Am Wettbewerb der Herren nehmen 37 Eisläufer teil, unter anderen der zweimalige nordische Medaillengewinner und viermalige finnische Nationalmeister, Valtter Virtanen.

29 Paare sind bei den Paarwettbewerben mit von der Partie. So wird sich die Finnin Emilia Simonen zusammen mit ihrem kanadischen Partner Matthew Penasse aufs Eis begeben. In der Eistanz-Disziplin vertreten Cecilia Törn und Jussiville Partanen Finnland in einer Gruppe von 32 Paaren.

Titelverteidiger und Herausforderer

Das finnische Team im Gruppenfoto (von links): Valtter Virtanen, Jussiville Partanen, Cecilia Törn, Emilia Simonen, Emmi Peltonen und Matthew Penasse.Foto: Sari Niskanen

Mit der Veranstaltung 2017 wird Helsinki zum fünften Mal Ausrichter der Eiskunstlauf-WM sein, die erstmals im Jahr 1896 ausgetragen wurden. Finnland brachte es in der Weltmeisterschaftsgeschichte auf eine Bronzemedaille (Laura Lepistö 2010).

1999, bei der letzten WM in Helsinki, räumte Russland ordentlich ab: Alexej Yagudin und Maria Butyrskaja waren Sieger in den Einzelläufen, während Elena Berezhnaya und Anton Sikharulidze die Paar-Disziplin gewannen. Anjelika Krylova sowie Oleg Ovsyannikov konnten sich im Eistanzen durchsetzten. 1983 siegten in Helsinki die Amerikaner Scott Hamilton und Rosalynn Sumners in den Einzelläufen. Elena Valova und Oleg Vasiliev aus der Sowjetunion gewannen die Meisterschaften im Paarlauf, während die Briten Jayne Torvill und Christopher Dean im Eistanzen die Nummer Eins wurden.

2017 umspannen die Titelverteidiger der Bostoner Weltmeisterschaften 2016 Spaniens Javier Fernandez (Einzel der Herren), Russlands Evgenia Medvedeva (Einzel der Damen), Kanadas Meagan Duhamel und Eric Radford (Paare) sowie Frankreichs Gabriella Papadakis und Guillaume Cizeron (Eistanz).
Japans Yuzuru Hanyu, der Olympiasieger und Weltmeister 2014, gilt als einer der Favoriten im Einzel der Herren zusammen mit Fernandez. Von Satoko Miyahara, auch aus Japan, wird erwartet, dass sie Medweda im Einzel der Damen herauszufordert.

Von Michael Hunt, März 2017

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