Enthüllungen zum finnischen Glück

Finnlands Ziel ist eine Gesellschaft, in der Vertrauen, Gleichstellung und Sicherheitsnetze ein zuverlässiges Umfeld schaffen.

Laut dem World Happiness Report ist Finnland seit 2018 das glücklichste Land der Welt. Die Finnen geben bei der Bewertung ihres Lebens im Durchschnitt 7,736 von 10 Punkten an.

Die Lebenszufriedenheit in Finnland wird durch die Förderung einer Gesellschaft kultiviert, die auf Gleichstellung, Fairness und Freiheit aufbaut, so dass jeder das Recht hat, unabhängig von seiner Herkunft und seinen Umständen glücklich und sicher zu sein.

A smiling man is leaning his cheek, chest and hand against a vertical rock surface covered with moss in a forest.

Foto: Marjaana Malkamäki / Keksi / Stadt Helsinki

Das beginnt früh, mit einer erstklassigen Bildung, die einen gleichberechtigten Zugang zum lebenslangen Lernen gewährleistet und den Einzelnen zum Erfolg befähigt. In Verbindung mit einem Fokus auf Medienkompetenz und einer starken Pressefreiheit ermöglicht dies den Bürgern einen kritischen Umgang mit Informationen in einer informierten und engagierten Gesellschaft.

In Finnland sorgt eine gute Governance für politische Systeme, die transparent, rechenschaftspflichtig und der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet sind. Gemeinsame Verantwortung, wobei über 90 Prozent der Finnen das Zahlen von Steuern für eine wichtige Bürgerpflicht halten, stärkt den sozialen Zusammenhalt und fördert eine faire und gerechte Gesellschaft.

Eine gesunde Work-Life-Balance, enge soziale Beziehungen und Aufenthalte in der Natur begünstigen langfristig Glück und Belastbarkeit. In Finnland fördern eine tiefe Verbundenheit zur Natur und ein leichter Zugang zu ihr Ruhe, Stressabbau und ein Gefühl der Zufriedenheit.

Two women in bathing suits, one lying in a hammock and one sitting at a table, relax in the grassy yard of an apartment building on a sunny day.

Foto: Julia Kivelä / Stadt Helsinki

Die finnische Kultur legt großen Wert auf bedeutungsvolle Momente. Das Herzstück ist die Sauna, die einen egalitären Raum bietet, in dem jeder willkommen ist, um sich zu entspannen, sich vom Alltagsstress zu lösen und wieder zu sich selbst und anderen zu finden.

Die Wertschätzung der Schlichtheit legt den Schwerpunkt auf die täglichen Momente des Lebens und zelebriert Funktionalität und durchdachtes Design.

All diese Schlüsselelemente sind Teil der finnischen Infrastruktur des Glücks.

Zwei finnische Apps helfen beim Aufbau zwischenmenschlicher Beziehungen

In Finnland bildet sich Gemeinschaft durch gemeinsame Aktivitäten wie „Talkoot“ (Nachbarschaftshilfe), etwa beim Frühjahrsputz in Gärten und Höfen nach der Schneeschmelze, und durch Hobbys, die als sozialer Kitt wirken. Tatsächlich haben rund 90 Prozent der Finnen mindestens ein Hobby, darunter fast alle Kinder unter zehn Jahren. Mitzumachen ist nichts Ungewöhnliches, es wird erwartet.

„Mit fünf Jahren habe ich mit Gymnastik angefangen“, erzählt Meri-Tuuli Helin, eine zweifache Mutter aus Turku. „Selbst als ich nach 20 Jahren wieder damit begann, fühlte es sich an, als würde ich in eine Gemeinschaft zurückkehren. Wir alle teilen dasselbe Hobby und dieselben Interessen.“

Dazugehören durch Design

Meri-Tuuli Helin, Geschäftsführerin von Gubbe, steht lächelnd mit verschränkten Armen vor einem pinkfarbenen Hintergrund.

„Man kann jemanden so viel geben und auch von jemandem zurückbekommen, der ein ganz anderes Leben geführt hat“, sagt Gubbe CEO Meri-Tuuli Helin.Foto: Gubbe

Helin hat ihre Begeisterung inzwischen an ihre Kinder weitergegeben, die sie regelmäßig in einem Wirrwarr aus Jacken, Stiefeln und Sportausrüstung zu ihren außerschulischen Aktivitäten chauffiert. Doch Helin bemüht sich auch, für soziale Kontakte im Alter zu sorgen, insbesondere dann wenn sich Mobilität, Gesundheit oder Alltagsrhythmus allmählich ändern.

Als Geschäftsführerin von Gubbe unterstützt Helin Familien dabei, dass ihre älteren Angehörigen regelmäßig Besuch bekommen. Die meisten davon werden von jungen Menschen durchgeführt, viele davon sind Studenten. Gemeinsam backen sie Pulla (ein traditionelles finnisches Hefegebäck), gehen spazieren, räumen die Wohnung auf oder sitzen einfach nur da und unterhalten sich. Es geht nicht um Effizienz. Es geht um Präsenz.

„Es ist, wie einen persönlichen Trainer zu haben, der einem hilft, aktiv zu bleiben und das Leben bis zum Schluss in vollen Zügen zu genießen“, sagt Helin.

Der Austausch ist beidseitig. Ältere Menschen bleiben im Alltag verankert; junge Menschen finden flexible, sinnvolle Beschäftigung – und oft auch eine unerwartete Freundschaft.

„Es ist ungemein bewegend, zwei Generationen zusammenzubringen“, sagt Helin. „Man kann jemanden so viel geben und auch von jemandem zurückbekommen, der ein ganz anderes Leben geführt hat.“

„Mein Traum ist es, eines Tages Wohnformen zu schaffen, die dem Seniorenwohnwesen ähneln, in denen aber junge Menschen und ältere Bewohner zusammenleben“, sagt sie. „Eine echte Gemeinschaft mit gemeinsamen Aktivitäten und einem Alltagsleben Seite an Seite.“

Um Hilfe bitten, ist eine Stärke

Eine Frau und ein Mann schaufeln Seite an Seite Schnee in einem winterlichen Garten, während ein Hund zwischen ihnen hin und her rennt.

Von Isolation zu Solidarität: Commu senkt die Hemmschwelle, um Hilfe zu bitten.
Foto: Commu

Die gleiche Logik prägt den Alltag in Finnland, da digitale Plattformen es einfacher und zunehmend normaler machen, um Hilfe zu bitten.

„Mit nur wenigen Klicks, ganz so, als würde man Essen nach Hause bestellen, findet man Hilfe“, sagt Karoliina Kauhanen, eine der Gründerinnen von Commu, einer App, die Menschen in Not mit Nachbarn verbindet, die bereit sind, ihre Zeit zur Verfügung zu stellen.

Das Interesse ist da. Seit dem Start 2022 hat Commu in Finnland mehr als 100.000 Nutzer angezogen.

„Um Hilfe zu bitten. ist kein Zeichen von Schwäche, sondern das Mutigste, was man für sich selbst tun kann, wenn man in Not ist“, sagt Kauhanen.

Oft suchen Menschen einfach nur jemanden, mit dem sie reden können.

„Einsamkeit ist eines der größten sozialen Probleme unserer Zeit“, sagt Kauhanen. „Sie lässt sich nicht allein mit therapeutischen Mitteln beheben.“

Von Isolation zu Solidarität

Karoliina Kauhanen, Gründerin von Commu, angezogen in einem grünen Hoodie, hält lächelnd ein Smartphone hoch, auf dem die Commu-App zu sehen ist.

„Wenn du nichts sagst, wie soll dir dann jemals jemand helfen können“, fragt Karoliina Kauhanen, Gründerin von Commu.
Foto: Commu

Die Commu-App bietet Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen einen Zugang zu einer Gemeinschaft, sei es einem Neuankömmling in Finnland, der sich mit der Integration zurechtfinden muss, oder jemandem, der plötzlich unfassbaren Umständen gegenübersteht.

Kauhanen erinnert sich an einen kürzlich verwitweten Vater, der zögerte, sich Hilfe zu holen. „Um Hilfe zu bitten, fiel ihm wirklich unglaublich schwer, aber er musste es einfach tun, um die Beerdigung und den Alltag in den Griff zu bekommen.“

Und dann kamen ihm auch Menschen zur Hilfe.

„Er erhielt in diesen ersten schrecklichen Wochen die Unterstützung, die er brauchte, um für seine Kinder durchzuhalten.“

Auch anderswo hat sich die Normalisierung des Hilfesuchens rasch durchgesetzt. Commu-Nutzer gibt es in Großbritannien, Portugal, Schweden, Spanien, Norwegen und Deutschland.

„Wir erleben gerade eine Welle von Menschen, die Gutes für ihr eigenes Wohlbefinden und ihre Gemeinschaft tun wollen“, stellt Kauhanen fest.

„Ich habe erfahren, wie es ist, alleine da zu stehen, ohne einen Weg aus der Situation zu finden. Aber ich habe auch die andere Seite erlebt: Wie wohltuend es sich anfühlt, wenn jemand einen und sein Problem endlich versteht, mit dem man zu kämpfen hat, und man es gemeinsam angeht.“

Von James O’Sullivan, April 2026

In Design gehüllt: Finnlands Textilkunst im EMMA

Finnland hat zwar eine lange Tradition handgefertigter Textilien, doch die industrielle Produktion im 20. Jahrhundert eröffnete neue kreative Möglichkeiten. Designer nutzten Stoffe als Medium und schufen einige der weltweit bekanntesten Muster.

Die Ausstellung „Draped: Art of Printed Fabrics“ (bis zum 14. März 2027) im EMMA beleuchtet diese Entwicklung und zeigt die historische und künstlerische Bedeutung des finnischen Textildesigns.

Ein Museum voller Stoffe

Eine blau beleuchtete Skulptur steht in der Abenddämmerung vor dem Museum EMMA, dessen beleuchteter Eingang durch die umliegenden Kiefern hindurch sichtbar ist.

EMMA befindet sich in einer ehemaligen Druckerei. In den weitläufigen Innenräumen des brutalistischen Betongebäudes aus den 1960er Jahren standen ursprünglich große Druckmaschinen.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Localizado a oeste de Helsinque, em um bairro chamado Tapiola, no município de Espoo, o EMMA hoje ocupa o

Das EMMA befindet sich westlich von Helsinki in Espoo im Stadtteil Tapiola und ist in einer ehemaligen Druckerei untergebracht. Seine weitläufigen, lichtdurchfluteten Räume bieten den perfekten Rahmen für eine eindrucksvolle Ausstellung von Farben, Mustern und Textilkunst.

Die Ausstellung umfasst Werke von über 30 Künstlern und erstreckt sich über fast ein Jahrhundert, von den 1930er Jahren bis heute. Sie stellt Pioniere der finnischen Textilkunst vor, darunter frühe Wegbereiter wie Aino Marsio-Aalto, Maija Isola, Vuokko Eskolin-Nurmesniemi und Howard Smith – Designer, deren Arbeit eng mit ikonischen finnischen Marken wie Artek, Marimekko und Vallila verbunden ist.

Die Auswahl reicht von klassischen kommerziellen Mustern bis hin zu experimentellen Werken, die das Textildesign in neue künstlerische Richtungen vorantreiben.

Von Alltagsgegenständen bis zu ikonischen Designs

Eine Besucherin steht mit verschränkten Händen da und betrachtet Maija Isolas Textildruck mit dem Birnenmuster „Päärynä“.

Maija Isolas „Päärynä“ (Birne) zeigt Isolas Vorliebe für großflächige Muster, mit denen sie ihre Naturbeobachtungen in kräftige, grafische Textilformen umsetzt.
Foto: Paula Virta / EMMA

Eines der Highlights der Ausstellung ist Maija Isolas Muster „Päärynä“ (Birne), das sie 1969 für Marimekko entworfen hat. Dieses verspielte, organische Design zeigt eine stilisierte Birne in einer markanten, grafischen Komposition und spiegelt Isolas Fähigkeit wider, die Natur auf auffallend moderne Weise einzufangen.

Isola malte ihre Entwürfe oft von Hand über die gesamte Breite des Stoffes, da sie der Meinung war, dass die industrielle Kunst die Freiheit handgemalter Designs brauchte, um lebendig zu bleiben. Dieser Ansatz führte zu Werken, die die farbenfrohe Ausdruckskraft handgefertigter Kunst mit der kühnen Einfachheit minimalistischen Designs verbanden. Als eine der einflussreichsten Designerinnen von Marimekko trug Isola zur Gestaltung der ikonischen Bildsprache der Marke bei, und ihre Arbeit ist nach wie vor ein wichtiger Teil ihres Vermächtnisses.

Der „Tibet“-Stoff von Vuokko Eskolin-Nurmesniemi zeigt abwechselnd schwarze und blaue Felder, die von gleichmäßig verteilten weißen horizontalen Linien durchzogen sind.

In „Tibet“ machte Vuokko Eskolin-Nurmesniemi die kleinen Unregelmäßigkeiten des manuellen Drucks zu einem charakteristischen Merkmal, indem sie versetzte Linien und offene Flächen zu einem Teil des Designs werden ließ.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Ein weiteres herausragendes Beispiel ist „Tibet“ von Vuokko Eskolin-Nurmesniemi. 1952 bat Marimekko-Gründerin Armi Ratia um ein Muster ähnlich wie „Oomph“ von Viola Gråsten doch Nurmesniemi verfolgte einen anderen Ansatz und schuf ein Design mit kräftigen, abstrakten Farbfeldern und unbedruckten Bereichen, die die leichten Unregelmäßigkeiten des manuellen Drucks aufgriffen.

Das Ergebnis war so modern, dass Ratia Nurmesniemis einzigartige kreative Vision erkannte und ihr ermöglichte, neue Wege innerhalb der Marke zu beschreiten, wodurch „Tibet“ zu einem prägenden Werk in der finnischen Textilgeschichte wurde.

Der in den USA geborene Künstler Howard Smith hat ebenfalls bleibende Spuren in der finnischen Textilkunst hinterlassen. Er kam 1962 im Rahmen einer amerikanischen Kunstausstellung nach Finnland – ohne zu wissen, dass diese von der CIA organisiert worden war – und machte das Land schnell zu seiner Heimat. 1968 wurde er von Vallila beauftragt, 25 Muster zu entwerfen, von denen die Hälfte produziert wurde.

Sein Entwurf „Makeba“ – benannt nach der Sängerin und Bürgerrechtlerin Miriam Makeba – wird bis heute hergestellt. Smith sah in Blumen eine Möglichkeit, seine Leidenschaft für die Natur zum Ausdruck zu bringen, und schuf kühne, rhythmische Muster, die Schönheit und Frieden in den Alltag brachten. Außer Designs für Textilien schuf er auch das noch heute verwendete Logo von Vallila.

Innovation in der Textilkunst

Zwei Besucherinnen stehen neben großen hängenden Textilien mit geschichteten, organischen Mustern in erdigen Rot- und Blautönen.

Hängende Stoffe aus dem Projekt „New Landscapes in Textile Design” zeigen, wie durch das Experimentieren mit digitalen Werkzeugen und traditioneller Webtechnik nachhaltigere Textilien hergestellt werden können.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Die Ausstellung stellt auch zeitgenössische Innovationen im Textildesign vor. Ein Projekt mit dem Titel „New Landscapes in Textile Design” unter der Leitung der Designerinnen Maija Fagerlund, Emilia Kuurila, Maarit Salolainen und Anna Semi von der Aalto-Universität ist Teil der EMMA-Ausstellung. Es untersucht Möglichkeiten, die Umweltauswirkungen der Textilproduktion zu reduzieren.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Herstellung nachhaltigerer Textilien und der Minimierung von Abfall durch die Wiederverwendung von Garnresten und die Kombination traditioneller Jacquardweberei mit digitalem Pigmentdruck. Digitale Werkzeuge spielen eine entscheidende Rolle bei der Effizienzsteigerung der Jacquardweberei, da sie präzise, komplexe Muster mit weniger Materialabfall ermöglichen und neue Möglichkeiten für nachhaltiges Design bieten.

Die Designerin und Aalto-Absolventin Sabina Simonsen sagt: „Als traditionsreiches Fachgebiet ist Textildesign naturgemäß eng mit den verwendeten Materialien verknüpft. Seine Auswirkungen auf die Umwelt sind zwar unbestreitbar, aber keineswegs unveränderlich. Die naturalistischen Entwürfe des Projekts „New Landscapes in Textile Design“ gehen über ihren künstlerischen Ausdruck hinaus und veranschaulichen das nachhaltige Potenzial des Designs mit hybriden Techniken – sie schaffen neue Traditionen im Textildesign.“

Erbe und Zukunft des finnischen Textildesigns

Große Textilien mit auffälligen grafischen Mustern und kontrastierenden Farben hängen im einen Galerieraum des Museums EMMA.

Kräftige Drucke und experimentelle Techniken zeigen, wie Textilien die Designsprachen Finnlands prägten.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Für alle, die sich für finnisches Design interessieren, bietet die Ausstellung einen Einblick in die Muster und Texturen, die die künstlerische Landschaft des Landes geprägt haben. Von ikonischen Werken von Designern wie Maija Isola und Vuokko Eskolin-Nurmesniemi bis hin zu zeitgenössischen Innovationen für mehr Nachhaltigkeit zeigt die EMMA-Ausstellung, wie finnische Textilien auch weiterhin Tradition und Kreativität miteinander verbinden.

Von Tyler Walton, März 2026

Neun Jahre unangefochten: Finnland steht im Weltglücksbericht wieder auf Platz 1

Schon seit 2018 führt Finnland im Weltglücksbericht die Tabelle der glücklichsten Länder der Welt an. Wie es in der Ausgabe 2026 heißt: „Finnland steht nach wie vor unangefochten an der Spitze.“

Das UN Sustainable Development Solutions Network veröffentlicht den Bericht jährlich zeitgleich mit dem Internationalen Tag des Glücks am 20. März.

Wie lässt sich das finnische Glück erklären? Was steckt hinter Finnlands wiederholter Auszeichnung als glücklichstes Land der Welt?

Kurz gesagt: Finnland hat eine „Infrastruktur des Glücks“ geschaffen, indem es eine Kultur und soziale Institutionen aufgebaut und gefördert hat, die die Grundlage und den Rahmen für die Schaffung von persönlichem Glück zu Gunsten von Einzelpersonen und Gemeinschaften bilden. Dazu gehören Vertrauen, gute Governance, Bildung, Verbundenheit zur Natur, Work-Life-Balance, Gleichstellung und eine Reihe weiterer Faktoren.

Die Hauptrangliste des Weltglücksberichts, „Länderrankings nach Lebenszufriedenheit“, vergleicht die Antworten auf eine der über 100 Fragen der Gallup-Welt-Demoskopie. Es heißt da: Auf einer Skala von null bis zehn, wo würden Sie Ihr eigenes Leben einordnen (wobei null das denkbar schlechteste und zehn das bestmögliche Leben darstellt)?

Diese „Lebensbewertungen“ stellen die Zufriedenheit der Menschen mit ihrem Leben in den Mittelpunkt. Der Bericht verwendet einen Durchschnitt der drei letzten Jahre, um die Liste der glücklichsten Länder zu erstellen. Finnland erreichte in der Ausgabe 2026 einen Wert von 7,764 von zehn Punkten.

Menschen namens Glück

Sehen Sie sich an, was einige Menschen namens Onni (was Glück bedeutet) über die Bedeutung von Glück zu erzählen haben.Video: Aarni Holappa/ThisisFINLAND

Zufälligerweise ist „Onni“, ein finnisches Wort, das „Glück“ bedeutet, auch der Vorname von mehr als 10.000 Menschen in Finnland. Er wird seit Anfang des 19. Jahrhunderts als Vorname verwendet.

Wir wollten herausfinden, was Menschen namens Onni über finnisches Glück denken und stellten ihnen einige Fragen dazu:

  • Was macht Sie glücklich?
  • Warum glauben Sie, gilt Finnland als das glücklichste Land der Welt?
  • Was bedeutet Glück für Sie?

Ihre Antworten sind simpel und tiefgründig zugleich. Einer der Onnis ist glücklich, wenn er „jemanden anderen glücklich machen kann“. Ein anderer Onni ist glücklich, wenn er Zeit mit seinen Freunden beim Schwimmen oder Trainieren verbringt.

Ein dritter Onni nennt Vertrauen als wichtigen Faktor für Glück. „In diesem Land können wir einander vertrauen.“ Onni Nummer zwei zählt „gute Gesundheitsversorgung, gute Bildung und kostenlose Schulmahlzeiten“ auf.

Einer von ihnen sagt, dass ein freundlicher und respektvoller Umgang mit anderen „einen großen Einfluss darauf hat, ob man glücklich ist oder nicht“.

Glück fördern

Auf einem Spielplatz, in dessen Hintergrund Herbstlaub zu sehen ist, balancieren ein Mann und ein Kind an einem sonnigen Tag gemeinsam auf Seilen.

Soziale Unterstützung (jemanden zu haben, auf den man zählen kann) ist ein Faktor, der zum Glück beiträgt.
Foto: Aleksi Poutanen/Finland Image Bank

Jedes Jahr enthält der Weltglücksbericht neben der Rangliste auch Artikel und Daten zu weiteren Aspekten des Glücks. 2026 liegt der Schwerpunkt auf dem Zusammenhang zwischen sozialen Medien und Glück, insbesondere bei jungen Menschen.

Die Titel der Artikel geben einen guten Einblick in deren Inhalt: So etwa „Internationale Erkenntnisse zu Glück und sozialen Medien“ oder „Problematische Nutzung sozialer Medien und das Wohlbefinden von Jugendlichen“.

Jugendliche, die weniger als eine Stunde pro Tag in sozialen Medien verbringen, weisen das höchste Wohlbefinden auf, allerdings sind Teenager durchschnittlich 2,5 Stunden täglich online. Die Auswirkungen sozialer Medien hängen von der Art des Mediums, der Nutzungsdauer und demografischen Faktoren ab.

Zwei Erwachsene und ein kleines Kind, alle mit Schwimmwesten bekleidet, überqueren in einem Ruderboot einen stillen, von Wald umsäumten See.

Für die Menschen in Finnland ist Natur ein Wesensmerkmal des Glücks, eine Quelle des Wohlbefindens, der Entspannung und Zufriedenheit.Foto: Carl Bergman/Finland Image Bank

Was die Rangliste selbst betrifft, so versuchen die Autoren des Berichts, die Lebensbewertungen der Länder damit zu begründen, dass sie Daten von sechs Schlüsselfaktoren vergleichen: Pro-Kopf-BIP, gesunde Lebenserwartung, soziale Unterstützung (das Gefühl, auf jemanden zählen zu können), Freiheit bei Lebensentscheidungen, Großzügigkeit und Wahrnehmung von Korruption.

Studien belegen, dass die Lebenszufriedenheit mit einer gut funktionierenden Gesellschaft korreliert, die Gesundheitsversorgung, soziale Sicherheit und Zugang zum Arbeitsmarkt bietet. Länder können Glück fördern. Mit seiner „Infrastruktur des Glücks“ trägt Finnland dazu bei, dass Glück überhaupt möglich ist.

Finnland und seine Infrastruktur des Glücks

  • Vertrauen spielt eine entscheidende Rolle. In Finnland erstreckt sich das Vertrauen nicht nur auf persönliche Beziehungen, sondern auch auf öffentliche Einrichtungen, die Staatsführung und sogar Fremde.
  • Gute Regierungsführung und ein politisches System, das transparent, rechenschaftspflichtig und der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet ist.
  • Ein gesellschaftlicher Rahmen, der Stabilität und Sicherheitsnetze kombiniert, so dass der Einzelne ohne Angst vor dem Scheitern Lebensentscheidungen treffen kann.
  • Ein starkes Gefühl der gemeinsamen Verantwortung fördert eine faire und gerechte Gesellschaft, die für das Glücklichsein von zentraler Bedeutung ist. Über 90 Prozent halten das Zahlen von Steuern für eine wichtige Bürgerpflicht.
  • Partizipation und Dialog: Aktive Teilnahme und ein offener Dialog zwischen der Öffentlichkeit und den Behörden fördern Inklusion und Empowerment. Das Recht auf freie Meinungsäußerung fördert Transparenz und eine lebendige Demokratie.
  • Gleichheit und soziale Gerechtigkeit: Finnlands Engagement für Gleichberechtigung, einschließlich der Gleichstellung der Geschlechter und eines starken Schutzes für Minderheiten, fördert ein sozial integratives Umfeld, das zur allgemeinen Zufriedenheit beiträgt.
  • Bildung und Information: Das weltweit erstklassige finnische Bildungssystem gewährleistet einen gleichberechtigten Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung und befähigt den Einzelnen zum Erfolg. Eine garantierte Pressefreiheit und Medienkompetenz ermöglichen den Bürgern einen kritischen Umgang mit Informationen und schaffen eine informierte und engagierte Gesellschaft.
  • Die Verbindung zur Natur ist ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens und des Wohlbefindens. Der Zugang der Finnen zur und das Eintauchen in die Natur fördert Ruhe und Zufriedenheit und baut Stress ab.
  • Einfachheit und Sauna: Die finnische Kultur ist tief verwurzelt in der Wertschätzung von Einfachheit, Funktionalität und der Bedeutung der kleinen Momente im Leben. Das Herzstück dieser Kultur ist die Sauna. Hier können sich die Finnen entspannen, vom Alltagsstress abschalten und sich mit sich selbst und anderen auf sinnvolle Weise verbinden.
  • Die finnische Gesellschaft ist so aufgebaut, dass sie ein ausgewogenes Leben unterstützt und das persönliche Wohlbefinden neben den beruflichen Verpflichtungen im Vordergrund steht. Die Arbeitspolitik und die sozialen Strukturen ermöglichen einen Lebensstil der Produktivität und der persönlichen Entfaltung.

Von der ThisisFINLAND-Redaktion, März 2026

Leben, Fotos und finnisches Glück nach vier Jahrzehnten in Finnland

An einem strahlenden Nachmittag im Spätwinter treffe ich den Schriftsteller und Fotografen Tim Bird am Fährterminal Südhafen in Helsinki.

Der Winter war dieses Jahr zwar kalt, aber oft sonnig. Heute ist einer der ersten Tage, an denen die Temperaturen endlich über den Gefrierpunkt steigen und Schnee und Eis zu schmelzen beginnen. Das Sonnenlicht fühlt sich anders an, wärmer, frühlingshaft, und es scheint der perfekte Tag für einen Besuch auf der nahegelegenen Festungsinsel Suomenlinna.

Das Meer zwischen Helsinki und der Insel ist noch immer dicht mit Eis bedeckt. Dort, wo Eisbrecher und Fähren sich ihren Weg gebahnt haben, ist die Oberfläche in wirbelnde Formationen aufgebrochen, die auffallend an Zuckerkristalle erinnern, mit denen Korvapuustis bestreut sind, die nach Kardamom duftenden finnischen Zimtbrötchen, die man hier überall in den Cafés findet.

Bird betrachtet die Muster mit Interesse. Nach mehr als vier Jahrzehnten in Finnland ist die Überfahrt eine vertraute Reiseroute für ihn.

Nur wenige Schritte von der Fähre entfernt, inmitten der historischen Festungsgebäude von Suomenlinna, liegt das Café Silo. Bird begrüßt den Besitzer; er ist hier Stammgast. An den Wänden hängen mehrere seiner Fotos. Für sein Buch über die Festungsinsel Suomenlinna interviewte und fotografierte er viele Menschen, die dort wohnen und arbeiten und die er kennengelernt hatte. [Vollständige Transparenz: Tim Bird hat auch für diese Website geschrieben und fotografiert.]

Der Glücksaspekt

Tim Bird läuft auf einem Schotterweg in Richtung eines rosafarbenen Torbogens der Inselfestung Suomenlinna; der Boden ist schneebedeckt.

In „Happy Land“ betrachtet Tim Bird das Leben in Finnland aus einer, wie er es nennt, „abweichenden Perspektive“ – anerkennend, aber nicht unkritisch.
Foto: Emilia Kangasluoma

Trotz des Titels unterstreicht Bird, dass sein neuestes Buch „Happy Land: Finding My Inner Finn“ („Glückliches Land: Auf der Suche nach meinem inneren Finnen“) nicht dazu dienen soll, Finnlands Status als glücklichstes Land der Welt zu zementieren. (Der Internationale Tag des Glücks findet jedes Jahr am 20. März statt. Passend dazu veröffentlicht das UN Sustainable Development Solutions Network den Weltglücksbericht. Seit 2018 steht Finnland an der Spitze auf der Liste der glücklichsten Länder der Welt in diesem Bericht.)

„Ich habe Finnland oft in den höchsten Tönen gelobt“, sagt er. In dem Buch „wollte ich jedoch etwas distanzierter sein, dieser Vorstellung von Glück nicht zynisch gegenüberstehen, es nicht als selbstverständlich hinnehmen, auch wenn der Titel vielleicht den Eindruck erweckt, dass ich das tue. Ich betrachte das Ganze aus einer etwas abweichenden Perspektive.“

Der Schriftsteller und Fotograf Tim Bird steht auf dem Deck einer Fähre von Helsinki nach Suomenlinna. Er trägt einen dunklen Mantel und einen bunt gestreiften Schal. Im Hintergrund sieht man den zugefrorenen Hafen und die Skyline von Helsinki.

 „Warte nicht, dass Finnland zu dir kommt“, sagt Tim Bird und denkt dabei an den Rat, den er seinem jüngeren Ich geben würde.
Foto: Emilia Kangasluoma

Finnland hat wiederholt die weltweiten Glücksrankings angeführt. Bird ist jedoch der Ansicht, dass der Begriff „Glück“ an sich einen falschen Eindruck erwecken kann.

„Aus internationaler Sicht könnte dies den Eindruck vermitteln, dass alle stets gut gelaunt und fröhlich sind“, meint er. „Bei genauerer Betrachtung ist es jedoch das falsche Wort – es müsste eher Zufriedenheit oder Befriedigung heißen.“

Zwischen Bevölkerungsteil und Beobachter

Tim Bird läuft zwischen kahlen Bäumen an einem rosafarbenen Gebäude auf Suomenlinna vorbei. Der Boden ist schneebedeckt.

Tim Bird lässt seine Erfahrungen in Finnland aus der Perspektive eines Einheimischen und Beobachters Revue passieren.
Foto: Emilia Kangasluoma

Bird kam in den 1980er Jahren aus Großbritannien nach Finnland und hatte ursprünglich nur einen kurzen Aufenthalt geplant. Wie viele Ausländer zu dieser Zeit begann er zunächst, Englisch zu unterrichten.

In „Happy Land“ – teils Reisebericht, teils Memoiren – erinnert er sich mit einem nachdenklichen Ton, der sich durch das gesamte Buch zieht, an diese frühen Tage. In seiner Erzählung über seinen ersten Tag in Helsinki beschreibt Bird das seltsame Gefühl, in einem völlig neuen Land angekommen zu sein:

„Als ich nach Finnland kam, wollte ich nichts anderes sein als Engländer, und seitdem habe ich stets versucht, ein prekäres Gleichgewicht zwischen den Rechten eines Einheimischen und den Privilegien eines Beobachters zu finden. Heimat, so scheint es mir, ist eher ein geistiger Zustand als ein bestimmter Ort. Doch als ich mich allein in dieser Wohnung wiederfand, passte das Wort ‚Heimat‘ in keinerlei Weise zu meiner Situation. Ich war völlig entwurzelt.“

Seit jenem ersten Abend ist viel passiert. Bird hat viel geschrieben und fotografiert und dabei die finnische Kultur, Landschaft und Geschichte dokumentiert. Er spricht Finnisch, arbeitet aber oft auf Englisch, ein weiterer Hinweis auf die etwas ambivalente Position nach so vielen Jahren in Finnland.

Diese Außenperspektive, stellt er fest, erlaube es ihm, Finnland mit Zuneigung und gleichzeitig Distanz zu betrachten.

„Es geht nicht darum, Finnland abzuwerten, sondern eine Balance zu finden“, sagt er. „Letztendlich wäre es dumm von mir, immer noch hier zu leben, wenn ich Finnland gegenüber zu negativ eingestellt wäre.“

 Dialog über Zeiten hinweg

Tim Bird, von hinten gesehen, geht auf einem Kopfsteinpflasterweg durch einen gewölbten Tunnel auf Suomenlinna. Vor ihm liegen Schnee, das zugefrorene Meer und die fernen Gebäude der Stadt.

In „Happy Land“ stellt Tim Bird seine eigenen Finnland-Erlebnisse denen der viktorianischen Reisenden Ethel Brilliana Tweedie gegenüber, die über ein Jahrhundert früher über Finnland schrieb.
Foto: Emilia Kangasluoma

Eines der auffälligsten Elemente von „Happy Land“ ist Birds Entscheidung, seine eigenen Erfahrungen denen einer weitaus früheren Finnland-Reisenden, der britischen Schriftstellerin Ethel Brilliana Tweedie, gegenüberzustellen.

Sie bereiste Finnland Ende des 19. Jahrhunderts und schrieb später für englischsprachige Leser über ihre Reiseerfahrung. Damals erschien ihr Finnland noch weitaus abgelegener und fremder.

Bird schreibt in „Happy Land“: „Genauso wie ich bei meiner Ankunft wusste auch sie nur sehr wenig über das Land, das sie erkunden wollte. ‚Niemand hätte jemals davon geträumt, nach Finnland zu reisen‘, erklärte sie. ‚Dennoch ist Finnland nicht die Heimat von Barbaren, wie manche Leute sich das vorgestellt haben; es laufen dort auch nicht ständig Eisbären durch die Straßen, und Rentiere ziehen im Sommer keine Schlitten‘“.

Bird nutzt Tweedies Beobachtungen in „Happy Land“ wie einen historischen Spiegel und vergleicht darin, wie Finnland vor mehr als einem Jahrhundert auf eine neugierige Besucherin wirkte und wie es heute erscheint.

„Ich sollte eigentlich sagen, dass vielleicht in 100 Jahren jemand mein Buch liest, und ich dann Mrs. Tweedie bin“, scherzt er.

Rat an sein jüngeres Ich

Buchcover von „Happy Land: Auf der Suche nach meinem inneren Finnen – Vierzig Jahre im glücklichten Land der Welt “ von Tim Bird. Es zeigt eine Person, die in einem ruhigen See planscht, dessen Ufer von Bäumen gesäumt ist.

In seinem Buch „Happy Land“ reflektiert Tim Bird über Finnland, nachdem er Jahrzehnte dort gelebt und geschrieben hat.

Als wir wieder nach draußen gehen, ist das Sonnenlicht verblasst, und vom Meer her sind tiefhängende Wolken aufgezogen. Ein leichter Nieselregen setzt ein; eine solch rasche Wetteränderung kündigt oft den Beginn des Frühlings in Finnland an. Schnee und Matsch bedecken Teile des Bodens, während wir zurück zum Hafen laufen.

Ich muss an die letzte Frage denken, die ich ihm vor dem Verlassen des Cafés gestellt habe: Welchen Rat würde er seinem 26-jährigen Ich geben, das damals nach Finnland ging und nicht wusste, wie lange es bleiben würde?

„Als ich damals nach Finnland kam, war ich ziemlich schüchtern, weil ich dachte, ich würde wahrscheinlich nicht lange hierbleiben“, sagte er. „Ich würde mir wohl sagen: ‚Spring etwas über deinen Schatten. Warte nicht, dass Finnland zu dir kommt.‘“

Dieser Rat hallt in mir nach, als wir auf die Fähre zurück nach Helsinki steigen. Wie Bird kam auch ich mit Mitte zwanzig nach Finnland und wusste nicht, wie lange ich bleiben würde. Zehn Jahre später bin ich immer noch hier; seine Worte klingen für mich deshalb überraschend persönlich. Es gibt immer noch geographische und kulturelle Teile, die ich noch nicht erkundet habe: die Nordlichter, den Schärengarten, Städte und Landschaften jenseits meiner gewohnten Umgebung in Helsinki.

Es ist leicht, selbst in einem neuen Land in Gewohnheiten zu verfallen und die Erkundung auf später zu verschieben. Dennoch hoffe ich, Birds Rat in meinem eigenen Leben in Finnland zu beherzigen und mir dabei vor Augen zu halten, dass sich das Land nicht einfach für einen erschließt: Man muss hinausgehen und Bekanntschaft mit ihm machen.

Von Tyler Walton, März 2026

Das 4-Buchstaben-Wort, das finnisches Glück illustriert

Das Wort, über das wir heute sprechen wollen, „onni“, bezieht sich auf ein Glücksgefühl, das Glück oder Erfolg.

Der Weltglückstag findet jedes Jahr am 20. März statt, dem Tag, an dem das UN Sustainable Development Solutions Network den World Happiness Report veröffentlicht. Seit 2018 steht Finnland an der Spitze der Liste der glücklichsten Länder der Welt in diesem Bericht.

Ein vielschichtiges Glückskonzept

Zwei Frauen lächeln und halten jeweils ein finnisches Zimtbrötchen in der Hand.

Korvapuusti (übrigens 11 Buchstaben), die typisch finnische Zimtschnecke, wird sicherlich zu Ihrem Glück beitragen.
Foto: Sabrina Bqain/Finland Image Bank

Finnland hat eine „Infrastruktur des Glücks“ begünstigt, indem es eine Kultur und soziale Institutionen aufgebaut und gefördert hat, die die Grundlage und den Rahmen bilden, um Einzelpersonen und Gemeinschaften den Weg zum Glück frei zu machen. Dazu gehören Vertrauen, gute Governance, Bildung, Verbundenheit zur Natur, Work-Life-Balance, Gleichstellung und eine Reihe weiterer Elemente.

Könnte das Wort „onni” etwas damit zu tun haben? Könnte es das neue „es”-Wort sein oder etwa ein anderer populärer Begriff, „sisu”, diese besondere finnische Mischung aus Courage und Durchhaltevermögen? Wird „Onni“, ein einprägsamer Terminus, bald in aller Munde sein, allen auf der Zunge liegen?

Nun ja, ähm, klar, warum nicht? Wenn wir das selber so sagen dürfen.

Zumindest zeigt „onni“ die Vielschichtigkeit der finnischen Sprache. Wenn man „onni“ hat, hat man auch das Glück, eine ganze Familie anderer Wörter zu haben, die davon abgeleitet sind (siehe Tabelle unten), dank des praktischen finnischen Grammatiksystems, das viele von uns kennen und mögen.

Begeben Sie sich mit uns auf eine Entdeckungsreise zum Verständnis der finnischen Sprache und des finnischen Glücks. „Onnea matkaan“! (Glückliche Reise!)

Eine Frau rutscht mit einem glücklichen Gesichtsausdruck auf einem blauen Plastikschlitten einen verschneiten Hang in Finnland hinunter.

Schlittenfahren auf einem winterlichen Hügel in Finnland sorgt für einen glücklichen Adrenalinstoß.Foto: Jussi Hellsten/Stadt Helsinki

Von Peter Marten, März 2026

Chill skills: ist dieses Snow-how gefragter denn je

Die schwere Tür öffnet sich, und ein kühler Luftzug empfängt uns.

„Das ist im Sommer mein Lieblingsplatz in unseren Büros“, sagt Mika Hovilainen mit einem Grinsen. Er ist CEO von Aker Arctic, einem Unternehmen, das Eisbrecher entwickelt.

Kleine rote Schiffe sind fein säuberlich über den großen Raum verteilt, mit elegant nach innen und außen geschwungenen Rümpfen. Es handelt sich um einige Meter lange Miniaturschiffe bereits existierender und künftiger Eisbrecher und eisgängiger Schiffe, die Aker Arctic konstruiert.

Derzeit ist das Meer in unmittelbarer Nähe des Firmensitzes im Hafen von Vuosaari im Osten Helsinkis eisfrei. Aber in ein paar Monaten, wenn die Temperaturen sinken, werden die Eisbrecher wieder zum Einsatz kommen.

Finnland ist weltberühmt für seine Kompetenz in Sachen Eisbrechen. Diese Kompetenz wurde aus der Not heraus geboren, denn alle finnischen Häfen frieren im Winter zu. (Estland ist das einzige andere Land, das dies von sich behaupten kann.) Die Schifffahrtswege müssen offen gehalten werden. Diese Herausforderung hat die technologische Innovation vorangetrieben und ein tiefes Verständnis für das Verhalten von Eis gefördert.

Hovilainen öffnet eine weitere Tür, und die Luft wird noch kälter. Dies ist der ganze Stolz von Aker Arctic: ein 75 Meter langer Eistank, in dem Mitarbeiter und Gastforschende beobachten können, wie Miniaturschiffe in eisbedeckten Gewässern manövrieren.

Mika Hovilainen

Mika Hovilainen, Vorstands­vorsitzender von Aker Arctic.

Tests unter realen Bedingungen – wenn auch im Maßstab 1:40 bei den größten Schiffen – sind entscheidend für das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen Eis und Schiffen.

„Menschen denken oft, dass ein Eisbrecher einfach durch das Eis rammt und die Masse aus dem Weg räumt“, sagt Hovilainen.

„In Wirklichkeit wird jedoch    durch die Form des Rumpfes eine nach vorne gerichtete Kraft in eine nach unten gerichtete Kraft umgewandelt, die das Eis bricht. Das Eis gleitet unter den Rumpf, bricht in kleinere Stücke und wird nach hinten und zur Seite geschoben.“

Eis hat mehr zu bieten, 
als man zunächst vermutet

Jukka Tuhkuri

Jukka Tuhkuri erforscht Eismechanik und arktische Meerestechnik.

„Eis ist ein schwieriges Material“, meint Jukka Tuhkuri, Professor an der Aalto-Universität. Sein Fachgebiet ist die Eismechanik, die forscht, wie sich Eis verformt und bricht.

Laut Tuhkuri gibt es einige weitverbreitete Irrglauben über Eis. Der erste und hartnäckigste lautet: Eis ist kalt. „Als Material ist Eis nicht kalt, denn es liegt sehr nahe an seinem Schmelzpunkt.“

Zur Veranschaulichung vergleicht er Eis mit Stahl, der bei etwa 1.500 Grad Celsius schmilzt. Bei Raumtemperatur ist ein Stahlträger noch weit von seinem Schmelzpunkt entfernt. Doch selbst bei minus 10 Grad – einer üblichen Wintertemperatur – ist das Eis bereits kurz vor dem Schmelzen.

Ein weiterer Irrglaube ist: Eis ist zerbrechlich.

„Ja, Eis kann zerbrechlich sein, wenn es kalt ist oder einer plötzlichen Belastung ausgesetzt wird, aber wenn es langsam und gleichmäßig belastet wird, zum Beispiel wenn es gegen etwas gedrückt wird, fließt es eher wie eine Flüssigkeit“, erklärt Tuhkuri.

Der Betrieb eines Schiffes auf eisbedeckten Meeren ist weitaus komplexer als auf offenem Wasser. Erschwerend kommt hinzu, dass das Meereis nicht immer ein einziges flaches Feld ist. Es ist vielmehr ein Labyrinth aus Eisschollen, die sich mit den Strömungen und dem    Windbewegen und zusammengepresst werden – eine enorme Belastung für alle Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen.

„Wenn der Wind das Eis langsam gegen ein Schiff oder eine Struktur wie eine Brücke oder ein Offshore-Windrad drückt, ist es alles andere als zerbrechlich.“

Geniales Snow-how hält Flughäfen offen

Während Eis die Grundlage für das Fachwissen von Aker Arctic und die Forschung von Jukka Tuhkuri bildet, ist Eis am Flughafen Helsinki ein unerwünschter Gast.

Flugzeuge brauchen Reibung, um sicher zu starten und zu landen. Wenn die Temperaturen um den Gefrierpunkt liegen und sich Eis auf der Start- und Landebahn bildet, laufen die Wartungsarbeiten auf dem verkehrsreichsten Flughafen Finnlands auf Hochtouren.

„Unser Ziel ist es, das ganze Jahr über sommerliche Bedingungen auf den Start- und Landebahnen zu schaffen“, sagt Jani Elasmaa, Vizepräsident bei Finavia. Das Unternehmen unterhält das finnische Flughafennetz und ist weltberühmt für sein „Snow-how“, seine Schneekompetenz, wie man Flughäfen auch bei widrigsten Wetterbedingungen si­­cher und betriebsfähig hält.

„Das ideale Winterwetter wären lang anhaltende Perioden mit Minusgraden“, sagt er. „Unvorhersehbares Wetter und schwankende Temperaturen über und unter dem Gefrierpunkt – die Bedingungen, die wir heutzutage oft haben – sind die größten Herausforderungen.“

In der Wintersaison sind rund 130 Wartungskräfte am Boden im Einsatz. Sie räumen die Start- und Landebahnen in eindrucksvollen    LKW-Konvois von Schnee und untersuchen den Asphalt auf Frostschäden – ein weiteres Problem, das durch wiederholtes Frieren und Schmelzen verursacht wird.

Finavias Snow-how lockt Besucher von anderen Flughäfen an. Die Gäste interessieren sich besonders für die Zusammenarbeit zwischen der Flugsicherung und dem Bodenteam.

„Es geht nicht darum, dass die Flugzeuge um jeden Preis fliegen können“, sagt Elasmaa. „Unsere Priorität ist es, dass Passagiere und Besatzung sicher nach Hause kommen.“

Die Entscheidung, den Flugverkehr einzustellen, wird zwar nie leichtfertig getroffen, ist jedoch manchmal die einzige Möglichkeit. Vor einigen Jahren überzog ein Wolkenbruch mit unterkühltem Wasser die Vorfeldflächen, die Flugzeuge und alle Wartungsgeräte mit einer vier Zentimeter dicken Eisschicht. Da musste der gesamte Flugverkehr eingestellt werden.

„Innerhalb von zwei Stunden waren wir wieder betriebsbereit“, sagt Elasmaa mit einem Hauch von Stolz in der Stimme.

Schneespeicherung 
rettet die Skisaison

Nur 20 Kilometer westlich des Flughafens Helsinki an der Ring­straße 3 liegt Oittaa, eines der beliebtesten Outdoor-Freizeitzentren der Hauptstadtregion. Es bietet eine der längsten Skilanglaufsaisons des Landes, selbst im Vergleich zum hohen Norden.

In der Hauptstadtregion fällt zwar nur wenige Male im Jahr so richtig Schnee, aber dank der Schneespeicher aus der vorangegangenen Saison beginnt die Skisaison in Oittaa oft schon Ende Oktober, bevor überhaupt neuer Schnee gefallen ist.

Die Lagerung von Schnee ist kein neues Phänomen. Bevor es Kühlschränke gab, wurden Schnee und Eis mit Sägemehl oder Holzspänen bedeckt, um Lebensmittel zu konservieren. Nun ist es auch ein vielversprechendes Geschäftsvorhaben.

„Die Speicherung von vorhandenem Schnee ist die energieeffizienteste Methode, um die Schneesicherheit in der Vorsaison zu gewährleisten“, erklärt Antti Lauslahti, CEO von Snow Secure, einem Unternehmen, das Schneelagersysteme entwickelt.

Die Schneespeicherung ist
besonders für Skizentren in Europa und Nordamerika interessant. Die Möglichkeit, Pisten frühzeitig zu öffnen – wenn es keinen natürlichen Schnee gibt oder es nicht kalt genug ist, um mit Schneekanonen Wasser in Schnee zu verwandeln – macht einen 
großen finanziellen Unterschied.

Die Lagerung von Schnee ersetzt die Schneekanonen nicht, sondern ergänzt sie, erklärt Lauslahti.

„Schneekanonen produzieren bei minus zehn Grad die beste Schneequalität. Das ist die optimale Zeit, um guten Schnee zu produzieren, und ihn für die kommende Saison zu speichern.“

Der Schnee wird zu festen Haufen aufgeschichtet und mit Isoliermatten bedeckt. Sensoren überwachen die Temperatur innerhalb und außerhalb der Abdeckung. Lauslahti erklärt, dass selbst bei einer Außentemperatur von über 40 Grad die Temperatur nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche des Hügels kaum über Null liegt.

„Das ist meiner Meinung nach eine sehr finnische Lösung. Wir nehmen etwas sehr Nischenhaftes und machen daraus eine patentierte Innovation mit globaler Anziehungskraft.“

Warmes Eis verhält 
sich anders

Die finnische Eis- und Schneekompetenz muss sich nun auf eine große Herausforderung einstellen: den Klimawandel.

Wenn die Winter milder werden und die Temperaturschwankungen zunehmen, verändert sich auch das Eis. In letzter Zeit hat Professor Jukka Tuhkuri das untersucht, was er „warmes Eis“ nennt.

Eine wichtige Frage, die Tuhkuri und seine Forscherkollegen rasch beantworten wollen, lautet: Welche Belastung übt warmes Eis auf die Eisbrecher aus. Dieses Wissen ist nicht nur für Eisbrecher von entscheidender Bedeutung, sondern auch für andere Schiffe, die in zunehmend eisfreien Gewässern operieren.

„Wir haben einige überraschende Dinge über warmes Eis herausgefunden“, sagt er. „Unsere Messungen ergaben zum Beispiel, dass die Eisbelastung auf Schiffen in warmem und weichem Eis genauso hoch sein können wie in kaltem und hartem Eis.“

Selbst schrittweise Änderungen der Eistemperatur können große Auswirkungen auf seine Materialeigenschaften haben, so Tuhkuri. Diese werden in den Berechnungen und Richtlinien für den Schiffbau noch nicht berücksichtigt.

„Wenn die Eisbedingungen scheinbar – und ich betone das Wort scheinbar – einfach sind, werden Schiffe ohne Verstärkung länger im Herbst und früher im Frühjahr eingesetzt, aber warmes Eis ist vielleicht nicht so unschuldig, wie es aussieht“, sagt er.

Kabbelige See voraus

Im Testtank von Aker Arctic steht ein Miniaturprototyp eines Eisbrechers im offenen Wasser still. In der Nähe treiben ein paar durchsichtige Eisplatten, die letzten Überbleibsel der heutigen Testläufe.

Für die Eisbrecherindustrie ist der Klimawandel sowohl eine Chance als auch eine Herausforderung. Da die Wasserstraßen länger offen bleiben, wird erwartet, dass der Verkehr erheblich zunehmen und die Nachfrage nach eisgängigen Schiffen steigen wird.

Eisbrecher sind allerdings nicht für lange Fahrten auf offener, kabbeliger See gemacht.

„Ein Schiff, das zum Eisbrechen geeignet ist, ist nicht gleichzeitig auch für das Manövrieren in offenem Wasser und bei Wellengang ideal“, erklärt Hovilainen. „Der Lebenszyklus eines Eisbrechers kann mehr als 50 Jahre betragen, daher müssen wir sorgfältig prüfen, welche Anforderungen die Schiffe in Zukunft erfüllen müssen.“

Wir steigen eine Treppe zu einem Aussichtsbereich unter dem Testtank hinunter. Hier verläuft ein Fenster über die gesamte Länge des Beckens. Durch das Fenster sehen wir direkt auf die Unterseite des Schiffsrumpfes. Hier, so Hovilainen, kommt es zu vielen großen Aha-Erlebnissen über Eis.

Eis ist letztendlich ein schwieriges Material – etwas, das Computer oder KI-gestützte Wettervorhersagemodelle nicht vollständig erfassen können. Wenn dieses Schiff in Zukunft in voller Größe durch ein Gewirr von Eisschollen fährt, wird es weiterhin auf das menschliche Verständnis von Eis angewiesen sein.

„Selbst mithilfe all der Technologie kommt es immer noch auf die Erfahrung des Kapitäns und seine Fähigkeit an, das Eis zu lesen“, erklärt Hovilainen.

Text Lotta Heikkeri
Illustration Tilda Rose
Fotografie Vesa Laitinen

Wo Snow-How auf Wow trifft

Kemi Snow Castle

Die Schneeburg bietet im Erdgeschoss die ganzjährige SnowExperience365, zu der Eisskulpturen, Eisrutschen und ein Restaurant mit Eistischen gehören. Wenn der Winterpark geöffnet ist, können die Besucher durch ein Schneelabyrinth wandern und sich auf einem Schneeberg und hoijakka, einem traditionellen Schlittenkarussell, vergnügen. In den Wintermonaten dient die Burg auch als Endstation für die dreistündigen Eisbrecherfahrten, die von Tornio und Haparanda aus starten.

SnowExperience365 ganzjährig geöffnet, SnowCastle Winter Park in der Regel von Mitte Januar bis April.

Two people in bathrobes and slippers walk down a hallway whose walls, floor and ceiling are made of snow and ice.

 Arctic Snow Hotel, Rovaniemi

Die Eissauna und das Schneerestaurant des Hotels heißen die Besucher während der Wintersaison willkommen. Sie können auch an allen anderen Tagen des Jahres eine Eisskulptur schnitzen oder in einem Glas-Iglu übernachten.

Hotel ganzjährig geöffnet, Eishotel und Schneerestaurant Dezember bis März.

A row of large ice sculptures portrays various Moomin characters from Finnish author and artist Tove Jansson's books.

Mumin-Eishöhle, Leppävirta bei Kuopio

Rutschen Sie die Eisrutsche hinunter und treffen Sie auf Eisskulpturen der beliebten Trolle, die von der finnischen Autorin und Künstlerin Tove Jansson geschaffen wurden. Wenn Ihnen kalt wird, kehren Sie einfach ins Erdgeschoss zurück und wärmen sich in den Becken und Saunen des Spas Vesileppis wieder auf.

Ganzjährig geöffnet.