Süßer, finnischer Frühling: Zum 1. Mai gibt’s Strauben, Berliner und Met

Was sind Strauben bzw. ihre finnischen Varianten, und wann ist es Kultur-gerecht, welche zu essen? Wir beschäftigen uns mit den lukullischen Genüssen des Maifeiertags in Finnland, der hier bei weitem größten und verrücktesten Party des Jahres.

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Jährlich am 30. April und 1. Mai fühlen sich die Menschen in Finnland zu Fettgebäck und prickelnden Getränken, die zu diesem Feiertag gehören, wie magisch hingezogen.

Der Maifeiertag ist als Vappu auf Finnisch und Valborg auf Schwedisch – auch eine Amtssprache Finnlands – bekannt. Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit, aber seit Generationen wird Vappu in Finnland auch als ein zweitägiger zeremoniöser Gefühlserguss gefeiert, der dem endlich angebrochenen Frühling Ausdruck verleiht. Eine Reihe von klassischen Speisen und Getränken sind ebenfalls mit diesem Fest verbunden.

Die Freude an goldenen Strauben

Ein finnischer Maifeiertagsstrauben bzw. „tippaleipä“ ist ein knuspriges, goldbraunes Gebäck, das mit Puderzucker bestreut ist.Foto: Ossi Lehtonen/Lehtikuva

Die finnischen Strauben zum Maifeiertag werden „tippaleipä“ (wörtlich übersetzt „Tropfbrot“) genannt. Im Deutschen nennt man Strauben u. a. auch Trichterkuchen und so gießt man den Teig auch in Finnland durch einen Trichter oder einen Spritzbeutel in heißes Öl. Das Ergebnis ist ein faustgroßer Knoten aus knusprigem, goldbraunem Gebäck, das meist mit Puderzucker bestreut wird.

Jedes finnische Lebensmittelgeschäft führt ab Mitte April Tippaleipä. Einige Bäckereien sind stolz auf ihre lange Tradition ihrer Herstellung: Bäckerei und Chocolatier Fazer rühmt sich, seit den 1960er Jahren das gleiche Rezept zu verwenden.

Viele Finnen ziehen es vor, sie selbst zu backen, statt die Fertigware zu kaufen. Puristen zufolge ist   warmes, frisches Tippaleipä natürlich am besten.

Leben im Zuckermantel

Festliche Atmosphäre: An Vappu kann man einem Bären begegnen, der in der Innenstadt von Tampere Luftballons verkauft.Foto: Laura Vanzo/Visit Tampere

Berliner sind ein weiteres Fettgebäck, das üblicherweise am 1. Mai gegessen wird. Die finnische Version heißt „munkki“. Das Wort bedeutet „Mönch“, und laut Legenden soll der Name auf die ähnlich braun gefärbten Mönchsroben oder die rundlichen Mönche selbst oder beides verweisen. Munkkis sind etwas substantiellere Krapfen als amerikanische Donuts, sie gleichen häufig eher Berlinern.

Doch es gibt viele Sorten, sowohl Hefedonuts- oder -berliner als auch Kuchenkrapfen, manchmal mit Marmelade gefüllt oder mit süßer Glasur überzogen. Der altehrwürdige Maifeiertagskrapfen besteht jedoch aus einem herzhaften Hefeteig, der direkt nach dem Frittieren in Zucker gerollt wird.

Lebensmittelgeschäfte verkaufen Berliner und kleinere Donuts, aber viele Finnen machen sie lieber selbst daheim. Normalerweise werden sie am Morgen des 1. Mais gebacken, damit man sie zum Picknick am Nachmittag mitnehmen kann.

Met ist ein altes alkoholisches Getränk, das durch die Vergärung von Honig mit Wasser entsteht. Finnland hat seine eigene einzigartige Maifeiertagssorte namens „sima“. Die moderne finnische Version hat im Allgemeinen einen sehr niedrigen Alkoholgehalt und wird mit Zucker anstelle von Honig hergestellt.

Ein Dutzend kommerzieller Sorten stehen zur gleichen Zeit in den Läden zum Verkauf wie auch die Schachteln mit Tippaleipä, doch alle Sima-Sorten haben ähnliche Eigenschaften. Er ist stets goldfarbig oder hellbraun; er sprudelt aufgrund der Hefegärung und schmeckt leicht nach Zitronen- und Rosinen. Althergebrachte Sorten sind ungefiltert und leicht trüb von der Hefe..

Ein glänzender Tag für ein Picknick

Einige Menschen betreiben am 1. Mai für ihr Picknick einen großen Aufwand und schleppen Möbel und weiße Tischdecken in den Park.)Foto: Jussi Nukari/Lehtikuva

Die Rosinen sind besonders wichtig, wenn man sein eigenes Sima braut, denn während der Hefegärung setzen sich winzige Bläschen an den Rosinen in der Flasche ab, und wenn die Rosinen nach oben schweben, weiß man, dass der Sima trinkfertig ist.

Und damit wir nicht beschuldigt werden, Offenkundiges zu unterschlagen: Champagner und andere Schaumweine sind an Vappu ebenfalls äußerst beliebt.

Im Mittelpunkt des Maifeiertags stehen die Picknicks, d. h. solange es nicht regnet oder schneit. Allerdings lässt sich ein beträchtlicher Teil der unerschütterlichen Partygänger auch durch das Wetter nicht vom Picknicken abhalten. Und ja, in einigen Jahren fielen am 1. Mai einige Schneeflocken vom Himmel. Aber wir können uns auch an zahlreiche sonnige Maifeiertage erinnern.

Finnen nehmen einen typischen Picknick-Imbiss mit: Fleischbällchen, Hotdogs, Kartoffelsalat, eingelegter Hering und neue Kartoffeln. Manchmal braten sie im Park sogar Würstchen auf tragbaren Grills. Nicht selten betreiben die Menschen einen großen Aufwand, um den Tag zu einem besonderen Anlass zu machen. So kann man etwa im Kaivopuisto, Helsinkis Park am Meer, Zeltplanen und Tische mit weißen Tischdecken sehen.

Trotz der Vielfalt an Gerichten, die bei den Picknicks am 1. Mai serviert werden, von Snacks bis zur gehobenen Küche, wäre der Feiertag ohne die Klassiker nicht komplett: Strauben, Berliner und Met. Wer in der Küche unternehmungslustig ist, kann ja seinen eigenen finnischen Maifeiertag begehen, egal wo man sich auf der Welt befindet.

Von David J. Cord, April 2018

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