Auf der Worldcon ist „Weird“ Trumpf

George R.R. Martin, Maria Turtschaninoff und andere Autoren treffen sich im August auf Finnlands erstmaliger Worldcon mit Science-Fiction- und Fantasy-Fans.

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Elfen aller Länder vereinigt euch! Der Hohe Norden ruft euch zusammen mit allen Klingonen, Hobbits, Timelords und Superhelden. Die Finnen sind besessen von Science-Fiction und Fantasy; demnach wird mit Finnlands Ausrichtung des jährlichen Worldcon-Kongresses in diesem August ein Traum für sie wahr.

Die World Science Fiction Convention, besser bekannt als Worldcon, ist erstmals in Helsinki zu Gast. Die teilnehmenden Fans können einander kennenlernen, weltberühmten Autoren zuhören und die Präsentation der Hugo Awards, des begehrtesten Preises in diesem Genre, erleben.

Fans haben auch die Gelegenheit, sich über die florierende finnische Science-Fiction- und Fantasy-Szene zu informieren, die sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt hat.

„Früher herrschte in Finnland die Vorstellung, dass gute Literatur realitätsbezogene Fiktion sein sollte“, sagt Ben Roimola, Redakteur des Enhörninger Fanmagazins. „Johanna Sinisalo riss diese Schranke nieder.“

Für ihren Fantasy-Roman „Troll. Eine Liebesgeschichte“ wurde Sinisalo mit dem Finlandia-Preis ausgezeichnet, Finnlands höchste literarische Ehre. Sie prägte einst den literarischen Gattungsbegriff „Finnisch Weird“ für einheimische Science Fiction sowie Fantasie. Seither haben sich ihr eine lange Liste von Schriftstellern hinzugesellt, die sich auf dem internationalen Markt erfolgreich geschlagen haben. Dazu gehören Pasi Jääskeläinen, Hannu Rajaniemi, Emmi Itäranta und Maria Turtschaninoff.

Schreiben ist eine feministische Handlung

Maria Turtschaninoff ist eine Feministin. Nach ihren Worten versucht sie aber nicht, feministische Fantasy-Romane zu schreiben.Foto: Niklas Sandstöm

Turtschaninoff, die einst den Finlandia-Junior-Preis gewann, gehört heute zu den beliebtesten Autorinnen in der finnischen Literatur. Ihre Buchrechte wurden an über zwanzig Länder verkauft und sogar für einen Film optioniert. Die ersten beiden Bücher in ihrer „Red Abbey Chronicles“-Serie, „Maresi – Das Lied der Insel“ und „Naondel“ (noch nicht auf Deutsch erschienen, aber auf Englisch), wurden von beeindruckten Rezensenten „feministische Fantasie“ getauft.

„Ich interessiere mich nicht sehr für Schubladisierungen. An Botschaften habe ich ebenfalls kein großes Interesse“, äußert sie. „Aber ich bin eine Feministin, Umweltschützerin sowie Humanistin, und all meine Wertvorstellungen spiegeln sich in dem, was ich schreibe. Und die bloße Tatsache, dass ich eine Frau bin, die schreiben kann und über Frauen schreibt, ist eine feministische Handlung.“

Worldcon-Teilnehmerin Turtschaninoff sagt, sie sei stolz auf die Vielfalt in „Finnisch Weird“. Für so ein kleines Land hätten sich die finnischen Autorinnen und Autoren ganz gut geschlagen, so die Schriftstellerin.

„Nach dem, was ich gesehen habe, sind wir in Finnland in gewisser Weise frei von kommerziellen Erwartungen, die beispielsweise an Autoren in der angelsächsischen Welt gestellt werden“, fährt sie fort. „Das schafft uns etwas Spielraum zum Experimentieren und über das hinauszugehen, was erwartet wird. Ich glaube, Finnland ist ein fruchtbarer Boden für kühne, andersartige, neue Stimmen und Storys.“

Eis, Feuer und Rentiere

George R.R. Martin, dem Autor von „Game of Thrones“, machte sein Finnland-Besuch so viel Spaß, dass er sich dafür einsetzte, die Worldcon in Helsinki zu veranstalten.Foto: Markku Lappalainen / Flickr

Worldcon ist zwar ein ausgezeichneter Ort, finnische Autoren kennenzulernen, es ist aber auch ein internationales Event, das einige der weltweit größten Namen in Science Fiction und Fantasy nach Helsinki bringt.

„Unser finnischer Kongress, Finncon, ist desweilen durchaus enorm, aber auf der Worldcon finden sich Leute aus mehr als fünfzig Ländern ein“, erläutert Ben Roimola. „Was Schönes ist u. a., dass die Autoren gleichzeitig Fans sind. Man hört sich vielleicht einen Redner an und merkt plötzlich, dass George R. R. Martin in der Reihe hinter einem sitzt.“

Martins Fantasy-Serie „Ein Lied von Eis und Feuer“ war schon ein Hit, bevor HBOs Adaption, „Game of Thrones“, ein kulturelles, globales Phänomen daraus machte. Er hat 2017 nur drei Auftritte geplant, einer davon ist auf der Worldcon. Martin hat auch bereits die Finncon besucht und setzte sich anschließend lautstark dafür ein, dass Finnland den Zuschlag für den Weltkongress bekam.

„Helsinki ist eine großartige, lebendige, historische Stadt, und die finnischen Fans sind fantastisch“, schrieb Martin in seinem Blog. „Ich weiß, die finnischen Fans würden es lieben, euch ihre Stadt, Burgen und Rentierherden zu zeigen, die durch die Straßen wandern. Oh, da ist auch noch der Wodka. Und die Saunen. Habe ich die Saunen schon erwähnt?“

Worldcon 75

Wer: Fans von Science Fiction und Fantasy
Was: Der Welt-Science-Fiction-und Fantasy-Kongress
Wann: 9. – 13. August 2017
Wo: Messukeskus (Messezentrum), Helsinki

Von David J. Cord, Juli 2017

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