Für Taija ist die Zeit allein in der Natur ein Ausgleich zu ihrem Job als Friseurin im Zentrum Helsinkis und zu ihrem häuslichen Leben mit ihren Kindern.
„Bei der Arbeit bin ich sehr kontaktfreudig und nah am Kunden, deshalb muss ich mindestens 2-3 Stunden am Tag für mich allein sein. Die Natur wirkt ausgleichend auf meine psychische Gesundheit und schenkt mir Ruhe und Entspannung, die ich sonst nirgendwo finde“, sagt sie.
Jeden Morgen läuft sie vor der Arbeit ein oder zwei Stunden lang, begleitet von Camu, ihrem jungen Labradoodle. Die beiden machen sich am Abend erneut auf den Weg, der insgesamt 10-20 Kilometer pro Tag beträgt.
„Normalerweise gehen wir in ein schönes altes Wald-Naturschutzgebiet in Kivikko, ganz in der Nähe unseres Hauses. Wenn ich im Herbst oder Winter mehr Licht brauche, fahre ich zum alten Flughafen von Malmi, wo es flache Wiesen gibt. Das ist auch gut für den Skilanglauf, aber das gilt auch für Kivikko, wo nicht so viele Leute sind“, stellt sie mit einem Grinsen fest. Außerdem schwimmt sie das ganze Jahr über im Freien in einem örtlichen Teich.
Magische Momente
Video: ThisisFINLAND
Aino bevorzugt gemütliche Spaziergänge auf Waldpfaden und Holzstegen in den nahe gelegenen Naturgebieten Slåttmossen und Vaarala. Im Winter wandert sie hauptsächlich auf den Schneewegen in Kivikko. Die Keramikerin und ehemalige Kunstlehrerin zog vor etwa einem Jahrzehnt von Lappland nach Helsinki. Aino lässt sich für ihre Kunst von der Natur inspirieren. Sie liebt es auch, mit Hilfe einer Handy-App Vogelstimmen zu identifizieren und vor allem von Eidechsen Fotos zu machen.
„Slåttmossen hat ein Moorgebiet mit wunderschön blühendem Sumpfrosmarin und sogar Moltebeeren, die mich an Lappland erinnern“, sagt sie. „Vaarala hat einen hohen Fichtenwald. Ich bin dort im letzten Frühjahr spazieren gegangen, als es mir schlecht ging. Ein Fuchs rannte an mir vorbei, blieb dann ein paar Meter entfernt stehen und sah mir lange in die Augen. Das war irgendwie tröstlich und hat mich aufgemuntert.“

Eines der schönsten Naturerlebnisse im Spätsommer und Herbst ist das Sammeln von Pilzen.
Ein weiterer „Wow“-Moment fand in Lappland statt, wo sie früher lange Wanderungen unternahm und noch immer eine Hütte besitzt. „Eines Nachts gab es Mondlicht und Nordlichter. Der Schnee funkelte in einem wunderbaren grünen Licht und in diesem Moment kamen zwei Rentiere vorbei. Es war wie ein Wunder.“
Taija genießt Lappland ebenfalls, insbesondere die sommerlichen Campingausflüge im Urho-Kekkonen-Nationalpark. „Ich liebe die Morgenstunden dort, wenn es ganz ruhig, still und neblig ist“, sagt sie. Sowohl sie als auch Aino verdanken es ihren Eltern, dass sie ihnen schon als Kinder die Freude am simpleren Leben in der Natur vermittelt haben.
„Ich bin schon seit meiner Kindheit völlig abhängig von der Natur“, sagt Aino.
Taija stimmt dem zu: „Das Beste an der finnischen Natur ist, dass sie immer in der Nähe ist, ganz gleich, wo man lebt. Auch in Helsinki gibt es echte Natur.“

Jeder hat Zugang zur Natur
In Finnland ist es den Menschen freigestellt, Wildgebiete ohne die Erlaubnis der Landbesitzer zu nutzen, allerdings mit gewissen Einschränkungen. Nach dem Prinzip des „Jedermannsrechts“, das seit mehr als einem Jahrhundert gilt, kann jeder die Natur beispielsweise zum Wandern, Radfahren, Langlaufen und Schwimmen beanspruchen, aber auch mit gewissen Einschränkungen zum Angeln und Sammeln von Wildbeeren und Pilzen.
Dieses dünn besiedelte Land ist zu etwa drei Vierteln bewaldet, so dass es viel Platz zum Herumstreifen gibt, solange man niemanden stört, indem man sich zu nahe an sein Haus, seinen Hof oder sein Ackerland begibt. Zelten ist in Ordnung, wenn man keine Abfälle hinterlässt, nicht zu lange bleibt und kein Feuer ohne Erlaubnis anzündet.