Finnlands Helsinki Design Week im globalen Fokus

“Fragen und Antworten” bzw. „F&A“ heißt das Motto der diesjährigen Helsinki Design Week. Wir fragten Finnen, für die nichts anderes zählt als Design, was denn daran so viel Spaß macht.

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Nordisches Design ist weltberühmt; das verdankt es nicht zuletzt auch dem Ruf finnischer Schöpfer. Die Design-Szene ist pausenlos in Bewegung, aber sollte man Finnland eine bestimmte Design-Saison zuordnen, dann wäre es der Herbstbeginn.

Helsinki wurde 2012 als Weltdesignhauptstadt auserkoren, veranstaltet aber schon seit 2005 eine eigene Helsinki-Designwoche. Das Festival 2017 läuft vom 7. bis 17. September über die Bühne und umfasst rund 250 Events. Es wird mit 200.000 Besuchern gerechnet.

Finnland wird als erstes Land den Vorsitz des World-Design-Weeks-Netzwerks leiten, eine Gruppe von 50 Design- und urbanen Festivals aus aller Welt. Ihre Vertreter treffen sich am 14. und 15. September im Rahmen der Helsinki Design Week auf dem World-Design-Weeks-Gipfel, zu dem auch Veranstaltungen wie DesignCommons gehören, wo das Publikum mit internationalen Designstars interagieren kann.

Anna Alanko: Designerin, Illustratorin und Farbfantastin

Design berührt die Kunstwelt und den kommerziellen Sektor: Anna Alanko schuf dieses Muster für die Eiscreme-Marke Häagen-Dazs.Foto: Anna Alanko

F: Was spornt Sie an? Treibt Sie Inspiration oder Disziplin voran?

A: Ich würde sagen, es ist eine Kombination von beidem. Ich bin eine sehr disziplinierte Arbeiterin, aber ich werde recht schnell gelangweilt. Um mich also motiviert und inspiriert zu halten, muss mein Arbeitsprozess ein Element der Entdeckung und des Spiels in sich einschließen. Die Inspiration fliegt mir oft zu, wenn ich mit ungewohnten Materialien arbeite oder eine neue Fertigkeit erlerne.

F: Wie wichtig ist Helsinki Design Week für finnische Künstler und Galeristen?

A: Als größtes Design-Event in den nordischen Ländern ist es ganz ohne Zweifel eine der bedeutendsten und umfassendsten Designveranstaltungen in Finnland. Sie bietet finnischen Designern eine umwerfende Publicity im In- und Ausland, bringt sie aber auch näher an ihre Kunden heran, was großartig ist!

F: Was ist Ihr nächstes Projekt?

A: Ich mache Cover-Art für eine britische Band und entwerfe Oberflächenmuster für Kunden in Schweden, den USA und Japan. In letzter Zeit habe ich mich auch in 3D versucht, was super-inspirierend und total neu für mich ist. Ich hoffe, künftig mehr Illustrationen und Muster zu machen, die 3D-Elemente mit meinen organischen, verträumten Oberflächenentwürfen vereinen.

Matti Pikkujämsä: Porträtkünstler, Illustrator und Galerist

Sein Arbeiten drehe sich um „Leidenschaft und Neugier“, sagt der finnische Designer Matti Pikkujämsä.Foto mit freundlicher Genehmigung von Matti Pikkujämsä

F: Wie schaffen Sie Kunst?

A: Meine Arbeitsweise dreht sich um Leidenschaft und Neugierde. Der meiste Teil meiner Arbeit besteht aus Skizzenbücher, die ich nur für mich mache. Ich sehe dauernd inspirierende Dinge. Das bringt mich in eine gute Arbeitsstimmung. Ich arbeite sehr gerne. Als Porträtist, Illustrator oder Mustermacher bin ich ein bescheidener Diener. Ich möchte die Menschen glücklich machen, aber nicht so offenkundig.

F: Wie sollte ihrer Meinung nach die zukünftige Entwicklung der Helsinki Design Week aussehen?

A: Meine Vorstellung ist, dass sie weitermacht und in unerwartete Räume vorprescht, die normalerweise nicht vom finnischen Design erreicht werden. Design sollte nicht nur in Design-Shops, sondern überall sein. Ich wäre froh, wenn die Leute „Design“ nicht nur als Dekoration, sondern als Denken ansehen könnten. Das gilt auch für Designer.

F: An was arbeiten Sie gerade?

A: Im Augenblick stelle ich gerade ein Buch zusammen und mache Produkte, die den Namen „Cup of Therapy“ tragen. Mein Mann und ich haben den Instagram-Blog im Mai begonnen und er nimmt immer größere Ausmaße an. Otava bringt das Buch im Oktober heraus, und wir werden bald schon Produkte wie T-Shirts und Tassen dazu haben.

Kari Korkman: Gründer und CEO der Helsinki Design Week

Sprecher beim DesignCommons sind u.a. (von links): Marko Ahtisaari von Sync Project; Winy Maas von MVRDV; Alex Groves und Azusa Murakami vom Studio Swine (Super Wide Interdisciplinary New Explorers); und Cees van der Veeken von LOLA Landscape Architects.Foto: World-Design-Weeks-Gipfel

F: Was bedeutet es für Finnland, den Vorsitz des World-Design-Weeks-Netzwerks innezuhaben?

A: Wir können stolz auf diese Anerkennung sein, aber letzten Endes geht es darum, wie gut finnische Designer lernen, sich das internationale Netzwerk zunutze zu machen. Designwochen locken eine Vielfalt von Interessengruppen an: Stadtbehörden, Universitäten, NGOs, Designer, Hersteller, Einzelhändler, Medien und lokale Verbraucher. Die World Design Weeks ermöglichen finnischen Designern, wertvolle Kontakte aufzubauen. F: Was glauben Sie, wurde seit den Anfängen der Helsinki Design Week erreicht?

A: Wir schauen normalerweise nicht so sehr zurück. Wir haben das große Ganze im Blick, d. h. wir sehen uns als Partner der Industrie und anderer Interessengruppen. Jeder einzelne Erfolg ist das Ergebnis dieser Partnerschaften. Wir sind abhängig von Inhalten wie neuartige Initiativen und originelle Produkte, die die Branche produziert. F: Wie sieht die Zukunft für Sie aus?

A: Es gibt einige Trends, die mich nicht gerade erbauen. Die Schreckgespenster des Populismus, Nationalismus und Protektionismus werfen einen größeren Schatten denn je. Kreativität und Innovation wirken diesen Trends entgegen. Neue Gedanken und Ideen entstehen nur, wenn wir offen und partnerschaftlich sind.

 

Von David J. Cord, August 2017

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