Innovative Weltraumtechnologie aus Finnland

Das finnische Unternehmen Iceye baut Mikrosatelliten, die Radaraufnahmen aus dem Weltraum in Echtzeit übertragen. Die Technologie hat globales Potenzial.

Artikel lesen

Iceye ist ein ehrgeiziges finnisches Start-up, das traditionelle Erdaufnahmen mithilfe von Mikrosatelliten mit Radarsensoren revolutionieren will. Die aus dem Weltraum übertragenen Radaraufnahmen können in Minuten- oder Stundenschnelle empfangen werden, und nicht erst nach Tagen.

Ein einzelnes Ereignis kann manchmal lebensverändernd sein. Diese Erfahrung machte Pekka Laurila, ein Ingenieurstudent an der Aalto-Universität, mit Anfang 20. Im Internet fand er eine Ankündigung, dass das Institut für Funkwissenschaft und Maschinenbau der Aalto-Universität einen neuen Satellitenkurs anbot, der auf den Bau des ersten finnischen Satelliten abzielte.

Damals konnte er noch nicht ahnen, dass er einst CFO und Mitbegründer von Iceye, einem Start-up-Unternehmen von über 20 Mitarbeitern, sein würde. Iceye will mithilfe von Mikrosatelliten, die von einer Trägerrakete in die Umlaufbahn gebracht werden, Echtzeit-Radaraufnahmen aus dem Weltraum als Dienstleistung bereitstellen.

Innovative Weltraumtechnologie

Iceye-Mitbegründer Pekka Laurila hat ein Faible für Satelliten.Foto: Iceye

Das ist gewissermaßen Raketenwissenschaft. Und aus einer globaleren Perspektive betrachtet, könnte diese innovative kommerzielle Weltraumtechnologie die Überwachung des Meereises und der Eisberge in den arktischen Meeresgebieten für Reedereien drastisch verändern. Bergungstrupps könnten auf diese Weise zeitnah über Hochwasser-, Sturmschäden und Ölteppiche informiert werden. Letzten Endes könnte diese satellitengestützte Radarbildtechnik sogar dazu beitragen, Ressourcen auf anderen Planeten zu kartieren.

Aber lassen Sie uns nicht zu weit vorgreifen. Blicken wir stattdessen zurück auf die Zeit, in der Laurila den Satellitenkurs der Universität belegte. Was bewog ihn dazu, mit zwei anderen Studenten 2012 eine eigene Firma zu gründen?

„Während des Studenten-Satellitenprojekts erkannten wir, dass man nicht viel Personal und Geld benötigt, um einen Satelliten zu bauen. Später suchten wir nach Möglichkeiten, diese neue Satellitentechnologie kommerziell zu nutzen und brachten verschiedene Ideen zu Papier. Es herrschte eine starke Nachfrage nach Dienstleistungen, für die unser Radar-Know-how eingesetzt werden konnte“, sagt Laurila.

„Ein spezieller Anwendungsbereich, die arktischen Meeresgebiete und die Überwachung der Eislage, stachen dabei ins Auge. „Die Nachfrage potenzieller Kunden war ausgesprochen groß.“

Nach Abschluss des Kurses nahmen Laurila und seine Freunde ein zweijähriges Validierungsprojekt in Angriff. Ziel dieses Projekts war der Bau eines Prototypen, der die erforderliche Technologie für die geplante Radarbildtechnik veranschaulichen sollte.

„Iceye ist ein Ableger dieses Prototyp-Projekts. Seit der Konstruktion des Original-Prototypen an der Aalto-Universität ist die Universität Miteigentümer unseres Unternehmens. Die Aalto-Universität hat gute, transparente Technologietransferregeln aufgestellt, und alles hat hervorragend funktioniert“, erzählt er.

Die Geschäftsräume von Iceye befinden sich weiterhin auf dem Aalto-Campus. Dies ermöglicht eine enge Zusammenarbeit zwischen Iceye-Mitarbeitern und der Raumfahrttechnikgruppe der Universität.

Aktualisierungsgeschwindigkeit ist alles

Foto: Jari Kokkonen/Vastavalo

Die arktischen Meeresgebiete sind riesige Areale mit spärlicher Infrastruktur, und es sind nur wenig umweltrelevante Echtzeitinformationen verfügbar.

Wenn auf einer Bohrinsel nach Öl gebohrt wird, brauchen die Eigentümer in Echtzeit über die Bewegung des Meereises Informationen. Wenn Reedereien und Erdölgesellschaften die Lage des Meereises und Risse im Eis in Echtzeit beobachten wollen, müssen sie dafür teure Helikopter oder Flugzeuge einsetzen. Aber das Risiko, dass ein Schiff samt Ladung im Eis stecken bleibt, ist derart groß, dass die Eigentümer gerne bereit sind, in eine schnelle Informationsübertragung zu investieren.

Es gibt nur wenige staatliche Radarsatelliten, und die Aufnahmen des Meereises werden nur langsam aktualisiert. Für Bohrinseln oder Schifffahrtsbetriebe reicht ein Satellitenbild pro Tag einfach nicht aus.

Kleine Satelliten sind eine Lösung, da sie aus gängigen, handelsüblichen Komponenten bestehen und ihre Konstruktion bis zu einhundertmal günstiger ist als der Bau staatlicher Wettersatelliten. Dank der niedrigen Stückkosten kann eine ganze Formation von Mikrosatelliten betrieben werden, die in kürzeren Intervallen Aufnahmen mit guter Bildqualität übertragen.

Wachstum ist die einzige Alternative

Als die Technologie und der Business-Plan Gestalt annahmen, stellte sich heraus, dass das System nicht nur für Aufnahmen der der arktischen Meeresgebiete, sondern für weitaus umfangreichere Anwendungen eingesetzt werden konnte. Es war an der Zeit, den Schwerpunkt auf eine global orientierte Geschäftstätigkeit zu verlagern.

„Wir stehen noch am Anfang. Bislang haben wir einen Satelliten im Rahmen einer Machbarkeitsstudie konstruiert und werden ihn hoffentlich im Lauf dieses Jahres in der Umlaufbahn testen können“, konkretisiert Laurila.

„Der größte Nutzen, den wir bieten, ist Schnelligkeit. Wenn Aufnahmen von einem Überschwemmungsgebiet benötigt werden, muss man die Daten schnell zur Hand haben. Wir übertragen die Daten nicht innerhalb von Tagen, sondern Stunden“, führt er aus.

Um die erforderliche Aktualisierungsgeschwindigkeit zu erreichen, benötigt man mehrere Satelliten. Für die Abdeckung der arktischen Meeresgebiete ist eine Formation von ungefähr sechs Satelliten erforderlich.

Iceye fertigt die Satelliten und liefert sie an ein kommerzielles Raumfahrtunternehmen, wo sie auf eine Trägerrakete geladen werden, die sie in den Orbit bringen soll.

„Unsere Firma wächst kontinuierlich. Für uns ist eine groß angelegte globale Geschäftstätigkeit die einzige Möglichkeit. In fünf Jahren müssen wir mindesten 20 Satelliten in der Umlaufbahn haben. Das ist ein realistisches Ziel.“

Von Leena Koskenlaakso, ThisisFINLAND Magazine 2017

Lesen Sie außerdem auf thisisFINLAND

Links