Abfallvermeidung in der Kreislaufwirtschaft

ThisisFINLAND Magazine 2016

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Was die Wiederverwertung von Materialien und die Abfallminimierung anbelangt, verfügt Finnland über reichhaltige Erfahrung beim Einsatz innovativer Technologien, die in entscheidenden Sektoren zum Tragen kommt.

Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft, in der alle Materialien umfänglich genutzt und recycelt werden, findet in einer Welt, die sich mit dringlichen Problemen wie dem Klimawandel und der Verknappung natürlicher Ressourcen auseinandersetzen muss, immer größere Anerkennung.

Während die Europäische Union eine ehrgeizige Strategie zu diesem Thema vorstellt, räumt die finnische Regierung Investitionen zur Förderung der Kreislaufwirtschaft im Rahmen seiner neuen Entwicklungsprojekte Vorrang ein.

Beim konventionellen Recycling von Getränkebehältern, Papier und Pappe liegen finnische Familien seit Langem vorn.

Beim konventionellen Recycling von Getränkebehältern, Papier und Pappe liegen finnische Familien seit Langem vorn. Foto: Lassila & Tikanoja

„Der Aufbau einer Kreislaufwirtschaft beinhaltet weitaus mehr als Abfallrecycling. Er ist mit grundlegenden Veränderungen verbunden – von der Auswahl von Rohmaterialien über das Produktdesign und neue Dienstleistungskonzepte bis hin zur weitläufigen Nutzung industrieller Nebenströme, die anderen Branchen als Rohstoffe dienen“, gibt die Leiterin des Bereichs Ökologische Nachhaltigkeit des finnischen Innovationsfonds Sitra Mari Pantsar zu bedenken.

 

Material- und Energieeffizienz in der Industrie

„Finnlands Papier- und Zellstoffindustrie ist ein Paradebeispiel für einen wichtigen Industriezweig, in dem fast alle bei der Holzverarbeitung anfallenden Materialien schon in vielen Produkten genutzt oder für die Erzeugung erneuerbarer Energie verwendet werden“, so
Pantsar. Finnische Firmen finden rasch neue Anwendungsmöglichkeiten für innovative Biomaterialien auf Holzbasis – und ermöglichen damit die verbesserte Nutzung von Biomasse aus nachhaltig bewirtschafteten finnischen Wäldern, in denen jährlich mehr Holz nachwächst, als geschlagen wird.

Eine verbesserte Nutzung von Rohmaterialien wird in der Regel von Energieeinsparungen begleitet. Finnland hat in Anbetracht seines kalten Klimas und des Mangels an eigenen fossile Brennstoffreserven schon seit Langem erkannt, wie wichtig eine Maximierung der Energieeffizienz in der Industrie und im Gebäudebau ist. Eine solche exportfähige Fachkompetenz ist angesichts der Notwendigkeit, Emissionen zu senken und die globale Erwärmung einzudämmen heute wichtiger denn je.

Neben der Schaffung einer nachhaltigen, kohlenstoffneutralen Bioökonomie, die auf einer optimierten Nutzung der Forstbiomasse beruht, beteiligt sich Finnland aktiv an der Förderung des Konzepts der Kreislaufwirtschaft in anderen Kernbereichen.

Laut Pantsar sollen Maschinen und elektronische Geräte verstärkt so konzipiert werden, dass eine Wiederverwendung der unterschiedlichen Materialien oder Komponenten möglich ist. „Der finnische Forstmaschinenhersteller Ponsse hat als erster das Konzept der Produktmodularität entwickelt und Vielzweckbauteile, die problemlos vom Hersteller gewartet und wiederverwendet werden können, in Maschinen integriert – auch über sein internationales Vertriebsnetz“, fügt sie hinzu.

Wie man in den Wald hineinruft…

Auch Privathaushalte können zur Abfallvermeidung und Wiederverwendung von Gütern und Materialien in einer Kreislaufwirtschaft beitragen, indem sie vermehrt von Leasing- und Sharing-Diensten oder Second-Hand-Waren Gebrauch machen. Beim konventionellen Recycling von Getränkebehältern, Papier und Pappe liegen finnische Familien seit Langem vorn. Eine verbesserte Sammlung, Sortierung und Verarbeitung soll als Nächstes auf andere wiederverwertbare Materialien, wie Kunststoff, Metall und Textilien abzielen.

Eine verbesserte Sammlung, Sortierung und Verarbeitung soll als Nächstes auf andere wiederverwertbare Materialien, wie Kunststoff, Metall und Textilien abzielen.

Eine verbesserte Sammlung, Sortierung und Verarbeitung soll als Nächstes auf andere wiederverwertbare Materialien, wie Kunststoff, Metall und Textilien abzielen. Foto: Lassila & Tikanoja

Finnische Lebensmittelhersteller und -händler sind unterdessen auf eine drastische Reduzierung von Lebensmittelabfällen bedacht. Das finnische Energieunternehmen St1 ist bei der Produktion von Biokraftstoff aus Lebensmittelreststoffen federführend.

Auf finnischen Bauernhöfen, so Pantsar, sei das Nährstoffrecycling für den Anbau von Nutzpflanzen eine weitere wichtige Zielsetzung – nicht zuletzt weil überschüssige Nährstoffe, die der Regen vom Ackerland in die Ostsee schwemmt, Umweltprobleme verursachen. „Statt importierte chemische Düngemittel zu verwenden, werden Landwirte dazu angehalten, recycelte organische Abfälle auf ihren Feldern auszubringen oder nährstoffreiche Nutzpflanzen in Anbauzyklen zu integrieren“, fährt sie fort.

Fachleute von Sitra tragen zur Ausarbeitung einer anspruchsvollen Roadmap bei, mit der Güter und Materialien den finnischen Wirtschaftskreislauf problemlos durchlaufen sollen und haben potenzielle jährliche Einsparungen in Höhe mehrerer Milliarden Euro in Kernsektoren identifiziert.

„Unsere Pläne konzentrieren sich auf eine enge Zusammenarbeit zwischen Forschung und Industrie, Regierungsbehörden, Gesetzgebern und Kommunalbehörden“, erläutert Pantsar. „Durch Forschungs- und Entwicklungsarbeit können neue Geschäftsmodelle und modulare Produktdesigns geschaffen werden, die dem Bedarf an wartungsfreundlichen Komponenten, Mehrfachnutzung und Recycling von Anfang an gerecht werden.“

von Fran Weaver, Februar 2016

Aus alt mach neu

New_Clothes_From_Old

Abgetragene Kleidung kann nun in neue modische Kleidungsstücke verwandelt werden – dank eines innovativen neuen Verfahrens von Finnlands technischem Forschungszentrum (VTT).

Im Zuge dieses bahnbrechenden Recycling-Demoprogramms wird aufgetragene Baumwollkleidung aus wiederverwendbaren Fasern zuerst im städtischen Wiederverwertungszentrum in Helsinki gesammelt – auch solche, deren Stoff für den Wiederverkauf in Second-Hand-Läden zu abgetragen ist.

Die Recyclingfirma Suez löst den Baumwollstoff anschließend in Alkali auf, um eine Zellstoffflüssigkeit zu erzeugen, die in einer stillgelegten Viskose-Fabrik in temporären Anlagen zentrifugiert wird. Die finnische Firma Pure Waste stellt aus den recycelten Fasern im Anschluss neue Stoffe her und fertigt daraus neue Kleidung für das High-Fashion-Modehaus Seppälä.

Die ersten im Rahmen dieses Programms erzeugten Kleidungsstücke werden 2016 in Seppälä-Warenhäusern verkauft. Sie können darüber hinaus online bestellt werden und werden in wiederverwendbaren RePack-Verpackungen geliefert. Auf diese Weise werden nicht nur Textilabfälle beseitigt, sondern Verbraucher haben ebenfalls die Möglichkeit, ausgediente Kleidung im Rahmen dieses Kreislaufs der Neuverwertung zuzuführen.
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