Das Flussufer in Turku, Finnland, erwacht mit Musik, Kunst und Theater zum Leben

Finnlands ältestes Orchester hat ein neues, zukunftsweisendes Zuhause am Fluss Aura zwischen dem neu gestalteten WAM-Museum für zeitgenössische Kunst und dem Stadttheater von Turku gefunden. Dieses kulturelle Flussufer bietet schwindelerregende Möglichkeiten für künstlerische Synergien.

Finnlands ehemalige Hauptstadt Turku ist seit dem 13. Jahrhundert eine Hochburg der Kultur und hat sich rund um den Fluss Aura entwickelt. Das Uferviertel, das als „Kulturelle Uferpromenade“ beworben wird, ist lebendiger denn je – insbesondere dank zweier großer Neueröffnungen Ende Oktober 2026.

Das Kronjuwel ist das Turku Music Centre Fuuga. Diese hochmoderne, genreübergreifende Veranstaltungsstätte liegt eingebettet zwischen dem neu renovierten, stadteigenen WAM-Museum für zeitgenössische Kunst und dem Stadttheater. Zusammen verfügen die drei benachbarten Kulturinstitutionen über ein halbes Dutzend Veranstaltungsorte mit einer Gesamtkapazität von 3.000 Plätzen sowie fünf Lokale, in denen man essen oder etwas trinken kann.

Gemeinsam bilden sie einen Anziehungspunkt für kulturbegeisterte Einheimische und Besucher, sagt Fuuga-Direktor Samppa Rinne.

„Die Menschen können auch ohne Eintrittskarte hereinkommen und die vielfältigen Facetten und Stimmungen erleben“, sagt er. „Sie können auf die Dachterrasse gehen und bis spät in den Abend hinein einen fast 360-Grad-Blick genießen, der auch die Burg und die Kathedrale von Turku umfasst – das ist fantastisch.“

Fuuga ist fast jeden Tag im Jahr für die Öffentlichkeit zugänglich. „Die Hemmschwelle, hereinzukommen, ist sehr gering, aber die Qualität ist wirklich hoch“, sagt Rinne. „Und wenn jemand wegen einer Vorstellung hierherkommt, hoffe ich, dass er sich auch eine WAM-Ausstellung ansieht. Dort gibt es auch ein schönes Restaurant. Insgesamt ist es ein wunderschöner Teil des Flussufers.“

Das 90-Millionen-Euro-Konzerthaus und das Theater, die unter derselben Leitung stehen und unterirdisch miteinander verbunden sind, planen eine Zusammenarbeit bei Musicals und Opern – und vielleicht auch bei Vorstellungen, die thematisch an WAM-Ausstellungen anknüpfen.

Ein Zuhause für alle Musikrichtungen

Eine Architekturvisualisierung aus der Vogelperspektive eines Flussufers im Zentrum der Stadt Turku, mit einer modernen Konzerthalle in der Bildmitte.

Turku ist eine pulsierende Stadt im Südwesten Finnlands. Hier leben etwa 210.000 Menschen.Architekturvisualisierung: PES-Architects

Fuuga ist das Herzstück dieses neuen Kulturzentrums, und seine treibende Kraft ist das Turku Philharmonic Orchestra (TPO), eines der ältesten ununterbrochen tätigen Orchester der Welt.

„Wir haben 1790 angefangen; als Mozart, Haydn und Beethoven also ihre Meisterwerke komponierten, haben wir sie als zeitgenössische Werke aufgeführt“, sagt Geschäftsführerin Nikke Isomöttönen. Auch der finnische Nationalkomponist Jean Sibelius dirigierte das Ensemble häufig.

Schlagzeuger in einem Orchester, im Vordergrund Pauken.

Das Turku Philharmonic Orchestra wurde 1790 gegründet.Foto: Jussi Virkkumaa / Stadt Turku

Das TPO ruht sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren aus.

„Da wir das einzige professionelle Sinfonieorchester in Südwestfinnland sind, haben wir die Verantwortung, für ein möglichst breites Publikum zu spielen“, sagt Isomöttönen. „Fuuga ist ein Ort für alle Arten von Musik. Neben unserem sinfonischen Programm spielen wir Kammermusik, führen Opernprojekte und Crossover-Produktionen mit Popstars auf und zeigen Filmvorführungen. Und unser Chefdirigent John Storgård setzt sich sehr dafür ein, dem Publikum zeitgenössische Werke näherzubringen.“

Ein Klang, der einen umhüllt

Eine Architekturvisualisierung, die einen modernen, hellen Konzertsaal zeigt, mit einem Orchester auf der Bühne und einem vollbesetzten Saal.

Der Hauptsaal von Fuuga bietet Platz für 1.300 Personen, während der kleinere „Ateljee-Saal“ etwa 300 Plätze fasst.Architekturvisualisierung: PES-Architects

Die erste Spielzeit des TPO im Fuuga umfasst Uraufführungen von Auftragswerken dreier Komponistinnen: der Ukrainerin Victoria Polevá sowie der Finninnen Minna Leinonen und Outi Tarkiainen. Tarkiainens Stück rückt den samischen Joik-Gesang in den Mittelpunkt. (Die Sámi sind das einzige anerkannte indigene Volk im EU-Raum.)

Die Philharmonie tritt außerdem gemeinsam mit dem Turku Jazz Orchestra und dem Pianisten Iiro Rantala auf, gefolgt von mehreren Konzerten mit dem schwedischen Pop-Veteranen Tomas Ledin. Für Veranstaltungen mit verstärkten Instrumenten lässt sich der Klang in den Konzertsälen von Fuuga mithilfe von Akustikvorhängen anpassen.

„Der Schlüssel zum Erfolg von Fuuga ist seine Akustik“, sagt Isomöttönen. „Es ist wirklich ein Saal von Weltklasse, bei dem die akustische Gestaltung oberste Priorität hatte. Das Konzept zielt darauf ab, einen Klang zu schaffen, der einen umhüllt und die Musik dem Zuhörer näherbringt.“

Der Klang des von dem renommierten Brüsseler Akustiker Eckhard Kahle gemeinsam mit finnischen Experten entworfenen Hauptsaals mit 1.300 Plätzen „hat Kraft, wird aber nicht laut“, sagt Isomöttönen.

Das wird am 1. Mai 2027 auf die Probe gestellt, wenn die legendären Berliner Philharmoniker ihr jährliches Europakonzert im Konzerthaus Fuuga für ein weltweites Fernseh- und Streaming-Publikum aufführen.

Entscheidend für den Klang des Hauptsaals sind die Bühne aus Kiefernholz und die geschwungenen Akustikpaneele aus Fichte, die von einem lokalen Familienunternehmen gefertigt wurden. Der intime Ateljee-Saal mit einer Kapazität von etwa 300 Plätzen bietet unterdessen Raum für eine breite Palette von Veranstaltungen, darunter Pop-, Indie-Rock- und Jazzkonzerte.

Ein großartiger Ort für großartige Ausstellungen

Ein Blick in das Innere eines Gebäudes mit weißen Wänden und markanten Fensterreihen.

Das WAM wurde 1967 als Wäinö-Aaltonen-Museum eröffnet. Inzwischen wurde es jedoch in „WAM Museum of Contemporary Art“ umbenannt.Foto: Raakkel Närhi / WAM

Fuuga mit seiner markanten, geschwungenen Kupferfassade wurde von Tuomas Silvennoinen von PES-Architects entworfen, dem Schöpfer zahlreicher wegweisender Gebäude in Finnland, China und Vietnam. Es wurde so konzipiert, dass es seine Nachbarn, darunter das WAM, ergänzt.

Das WAM wurde 1967 als Wäinö-Aaltonen-Museum eröffnet, zu Ehren eines der bekanntesten finnischen Bildhauer, der für markante Statuen in Turku und anderen Städten verantwortlich war.

„Wir haben beschlossen, es in ‚WAM Museum of Contemporary Art‘ umzubenennen, da es nicht in erster Linie Aaltonen gewidmet ist“, erklärt Chefkuratorin Silja Lehtonen.

Nach einer zweijährigen Renovierung im Umfang von 16 Millionen Euro verfügt das Museum nun über mehr Platz, darunter das neue Mehrzweckstudio und den Veranstaltungsraum WAMx sowie einen unterirdischen Ausstellungsraum. Die Eröffnungsausstellung ist die erste nordische Schau der kanadischen Medienkünstlerin Sabrina Ratté (bis April 2027).

Ein farbenfrohes Kunstwerk auf einem Bildschirm, umgeben von Dunkelheit.

Interaktive Videoinstallationen der kanadischen Künstlerin Sabrina Ratté prägen das WAM. (Hier abgebildet ist „Pharmakon, 2025“, eine interaktive Installation im Eisode in Montreal.)Foto: Sabrina Ratté

„Diese immersiven, interaktiven Videoinstallationen sind visuell sehr reichhaltig“, sagt Lehtonen und erwähnt „zahlreiche schimmernde Lichter, Spiegel und Reflexionen im gesamten Ausstellungsraum sowie eine Projektion auf die Fassade des Gebäudes.“

Zwei bei den Einheimischen beliebte Elemente kehren zurück: ein Aquarium und ein Brunnen im Innenhof.

„Dies ist unserer Meinung nach der großartigste Ausstellungsraum in Finnland“, fügt sie hinzu. „Aber wir sind natürlich voreingenommen!“

Von Wif Stenger, Oktober 2026