Regenerativer Tourismus zielt darauf ab, einen positiven Einfluss auf die Reiseziele zu haben, in denen er angeboten wird. Wären Sie bereit, einen Teil Ihres Urlaubs mit Freiwilligenarbeit zu verbringen? Für Tiina Polo lautet die Antwort eindeutig „Ja“.
„In unserer Familie sind wir ohnehin gerne aktiv“, sagt Polo. „Die Natur zu schützen und gleichzeitig körperlich aktiv zu sein, schien uns eine großartige Kombination zu sein.“
Im Februar 2025 häuften Polo und ihre Familie mit einer kleinen Gruppe Freiwilliger am Ufer des Saimaa-Sees künstliche Schneeverwehungen auf. Ihr Ziel: den Saimaa-Ringelrobben zu helfen, einer vom Aussterben bedrohten Tierart, die nur in Finnland vorkommt.
Die Robben sind auf tiefe Schneeverwehungen angewiesen, in die sie Höhlen für die Geburt ihrer Jungen graben. Wenn in milden Wintern zu wenig Schnee liegt, können die Robbenbabys sterben.

Im Rahmen ihres Urlaubs helfen Freiwillige dabei, künstliche Schneeverwehungen aufzuschichten, in die die Saimaa-Ringelrobben Höhlen für die Geburt der Robbenbabys graben können.
Foto: Jarno Artika/Karelia Cottages
Freiwillige Helfer schaufeln den Schnee an sorgfältig ausgewählten Stellen zu künstlichen Schneeverwehungen auf. In den letzten Jahren haben diese Schneehaufen Dutzenden von Welpen geholfen, schneearme Winter zu überleben.
So wird’s gemacht: Erleben Sie, wie Freiwillige eine künstliche Schneewehe für Saimaa-Ringelrobben anlegen.Video: Jarno Artika/Karelia Cottages
Diese Initiativen haben Karelia Cottages auf die Idee gebracht, diese wichtige Arbeit in ein Reiseerlebnis zu verwandeln, das einen spürbaren Unterschied machen kann. Das kleine Familienunternehmen im Osten Finnlands bietet Winterwochenenden zum Thema Robben an, an denen die Gäste helfen, künstliche Schneeverwehungen aufzuhäufen und gleichzeitig etwas über das empfindliche Ökosystem der Robben lernen.
2025 konnte aufgrund schwieriger Wetterbedingungen nur eines von drei geplanten Wochenenden stattfinden – dasjenige, an dem Polo und ihre Familie teilnahmen. Katri Vuorjoki, Geschäftsführerin von Karelia Cottages, sagt aber, dass sie die Robbenwochenenden auch in den kommenden Jahren anbieten wollen.
Von Nachhaltigkeit zu Regeneration

Nach viel harter Arbeit zeigt die Messlatte, dass die Schneewehe hoch genug ist.
Foto: Jarno Artika/Karelia Cottages
Die Robbenwochenenden sind nur ein Beispiel für den wachsenden Trend in der Reisebranche, der als regenerativer Tourismus bekannt ist.
Während nachhaltiger Tourismus darauf abzielt, Schäden zu minimieren, will regenerativer Tourismus ausdrücklich positive Auswirkungen auf die Menschen, Gesellschaften, Kulturen und Ökosysteme des Reiseziels haben. Obwohl sich die Definitionen unterscheiden, nehmen Touristen dabei oft aktiv an Projekten teil – Bäume pflanzen, invasive Arten entfernen oder der lokalen Gemeinschaft auf irgendeine Weise helfen.
Ähnliche Projekte werden auch in anderen Ländern zunehmend populär. Sie reichen von der Wiederherstellung von Korallenriffen in Indonesien bis hin zu Rewilding-Urlauben in Schottland.
„Die Reisebranche in Finnland stand vor vielen Herausforderungen, und regenerativer Tourismus könnte einige neue Möglichkeiten bieten“, sagt Elli Vento, Postdoktorandin an der Universität Ostfinnland.
Sie arbeitet in einem vom finnischen Institut für natürliche Ressourcen koordinierten Projekt, das darauf abzielt, regenerativen Tourismus durch den Aufbau von Netzwerken und die Entwicklung neuer thematischer Tourismuserlebnisse zu fördern.

Der Saimaa, Finnlands größter See mit einer Wasserfläche von 4.400 Quadratkilometern, ist eine riesige Ansammlung von Inseln und Buchten im Osten Finnlands.
Foto: Jarno Artika/Karelia Cottages
Da gerade Finnlands unberührte Natur viele Touristen anzieht, sieht Vento das größte Potenzial für regenerativen Tourismus in naturbezogenen Erlebnissen, die auch Elemente des lokalen Kulturerbes beinhalten können. Als Beispiele nennt sie die beliebten „Schafhirte für eine Woche“-Ferien sowie ein „Kuhcamp“, das von einem Bauernhof im Osten Finnlands angeboten wird.
Vento sagt, dass regenerativer Tourismus für Massentouristen wahrscheinlich nicht attraktiv sein wird. Er könnte jedoch Menschen ansprechen, die nach einer anderen Art von sinnvollen Erfahrungen suchen. Der Schlüssel liegt darin, die richtigen Tourismusprodukte zu entwickeln und auf potenzielle Kunden zuzugehen.
Aktivitäten für jede Jahreszeit

Auf dem See bleibt Zeit für ein Picknick.
Foto: Jarno Artika/Karelia Cottages
Karelia Cottages denkt über den Winter hinaus. Da die Robbenwochenenden auf wenige Wochen mitten im Winter beschränkt sind, entwickelt das Unternehmen neue, ähnlich ausgerichtete Aktivitäten für andere Jahreszeiten.
„Wir sind gerade dabei, eine Karte mit den Vogelhäuschen in der Umgebung zu erstellen“, sagt Vuorjoki. „Unsere Besucher können dann die Vogelhäuschen reinigen, bevor die Zugvögel eintreffen. Sie können auch neue Vogelhäuschen bauen und sie entlang eines Wanderwegs in Bäumen aufhängen.“
Tourismus, der wiederherstellt und regeneriert, ermöglicht es Reisenden, nicht nur Zuschauer, sondern auch Mitgestalter zu sein.
Von Juha Mäkinen, Februar 2026