Selbst mit Schneeschuhen sinkt man knietief im Pulverschnee ein. Es geht nur langsam und mühsam voran, der schwere Rucksack drückt auf die Schultern.
Die Temperatur liegt bei fast minus 20 Grad Celsius und die Sonne steigt kaum über den Horizont. Es ist einer der dunkelsten Tage des Jahres im Oulanka-Nationalpark im Norden Finnlands.
Und doch ist das hier in Kälte und Dunkelheit der perfekte Moment für eine Wanderung in der Polarnacht.

Kiutaköngäs im Norden von Kuusamo ist eine beeindruckende Stromschnelle, die zu jeder Jahreszeit einen Besuch wert ist.

Finnische Wildnishütten und Schutzhütten sind oft spartanisch eingerichtet, aber für jedermann kostenlos zu nutzen. Bei unserer Hütte am Fluss Oulanka gibt es im Hof einen großzügigen Vorrat an Brennholz – das Holzspalten wärmt einen selbst bei klirrender Kälte schnell auf.

Es ist üblich, mindestens einen Korb mit gehacktem Brennholz für die nächsten Besucher in der Wildnishütte zurückzulassen.
Die Winterlandschaft lesen
Rentierspuren. Jemand ist vor uns hier vorbeigekommen. Der Schnee ist wie eine Leinwand, jeder Abdruck hinterlässt eine Geschichte.
Bald durchbricht das Rauschen des Wassers die Stille. Selbst der strengste Frost kann Kiutaköngäs, die mächtigen Stromschnellen des Oulanka-Flusses, nicht stoppen. An anderen Stellen ist der Fluss bereits unter einer dicken Schicht aus weißem Eis versiegelt.
Auch der Wald spricht. Die Bäume knacken und ächzen in der Kälte, laut genug, um die Fantasie anzuregen. Hat sich gerade etwas hinter dieser Fichte bewegt? Das Atmen verlangsamt sich, man lauscht.

In der Dunkelheit beginnt die Fantasie umherzuschweifen. Befindet sich irgendwo in der Ferne eine Herde Rentiere, die uns beobachtet? Oder ist es etwas ganz anderes?
Die Luft ist beißend kalt. Lange Stränge blasser Flechten hängen schwer von den Kiefernzweigen.
Der letzte Sturm hat mehrere Bäume umgeworfen. Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Wir werden hungrig. Zum Glück stecken noch ein paar Schokoladenstücke in der Tasche – zwar gefroren, aber das macht nichts.
Es dämmert noch immer. Aber was für ein Licht! Der Himmel färbt sich erst zartrosa, dann in allen erdenklichen Blautönen. Als kurz nach Mittag schließlich die Dunkelheit hereinbricht, leuchten die Sterne und der Mond so hell, dass es nie ganz dunkel wird.

In der Wildnis ist ein Mobiltelefon kaum von Nutzen, und bei Minustemperaturen würde der Akku ohnehin nicht lange halten. Dies bietet eine seltene Gelegenheit, einmal richtig offline zu sein.

Bevor die Frühlingssonne beginnt, sich im Schnee zu spiegeln, ist es in der Natur bemerkenswert ruhig. Mitten im Winter sind nur wenige Wanderer unterwegs.

Bei frostigen Temperaturen ist es wichtig, mehrere Schichten anzuziehen. Beginnen Sie mit Wolle oder Merinowolle als Basis, fügen Sie weitere Woll- oder Daunenschichten zur Isolierung hinzu und tragen Sie zum Schluss eine winddichte Außenschicht. Im Dunkeln ist eine Stirnlampe ein unverzichtbarer Begleiter.
Eine Nacht in einer Wildnishütte
Im Schein unserer Stirnlampen finden wir unseren Platz für die Nacht. Die Wildnishütte ist kalt und leer – laut Gästebuch waren die letzten Besucher vor zwei Monaten hier –, aber mit Kerzen und einem Feuer im Ofen wird es schnell gemütlich.
Es gibt noch viel zu tun.
Brennholz ist reichlich vorhanden, es muss aber erst noch gesägt und gespalten werden. Da es keinen Brunnen gibt, müssen wir geschmolzenen Schnee als Trinkwasser verwenden.
Auch beim Abendessen tragen wir noch unsere Wollmützen und Winterjacken.

Die finnischen Nationalparks bieten in den schneefreien Monaten Hunderte Kilometer Wanderwege. Im Winter werden einige Routen gepflegt, aber meistens ist es Glückssache, ob jemand diesen Weg vor Ihnen gegangen ist. Besonders im Winter ist es wichtig, dass man sich orientieren kann.

Bei frostigen Temperaturen macht das Heizen einer Hütte in der Wildnis mit einem Holzofen eine Menge Arbeit. Brennholz muss dennoch sparsam eingesetzt werden: Es in die Mitte der Fjälls oder des Waldes zu transportieren, ist sowohl kostspielig als auch mühsam.

Auf einer Winterwanderung sind Bewegung, Wärme, Ruhe und natürlich Essen das A und O. Bei Temperaturen unter null Grad verbraucht der Körper besonders viel Energie. Wenn kein fließendes Wasser verfügbar ist, kann man Trinkwasser durch Schmelzen von Schnee gewinnen.

Für Übernachtungen geeignete Wildnishütten findet man vor allem im Norden Finnlands. Viele Hütten haben ihre eigene Geschichte, da sie jahrzehntelang als Unterkünfte für Holzfäller oder Rentierzüchter gedient haben.
Dann legen wir uns schlafen. Wir rollen uns im Schlafsack zusammen, schalten die Stirnlampen aus und betrachten das Kerzenlicht, das weiter über die Holzwände flackert. Draußen erstreckt sich die Dunkelheit in alle Richtungen. Es fühlt sich nicht wie Leere an, sondern eher wie eine schützende Umarmung.

Der Rückweg ist leichter, da wir unseren eigenen Spuren folgen. Bis zum nächsten Mal, Wald!
Praktische Tipps für eine finnische Winterwanderung
Was ist die Polarnacht?
Die Polarnacht (auf Finnisch „kaamos“) ist die Zeit im Jahr, in der die Sonne nicht über den Horizont steigt. Sie tritt innerhalb des Polarkreises auf und dauert umso länger, je weiter man sich in Richtung Nordpol bewegt. In Nuorgam, dem nördlichsten Dorf Finnlands, dauert sie mehr als 50 Tage. Die Polarnacht bedeutet jedoch nicht völlige Dunkelheit. Mitten im Winter zeigen sich am Himmel wechselnde Rosa- und Blautöne, eine Art Dämmerung. Mit etwas Glück kann man auch Nordlichter sehen.

Der nördliche Teil des Oulanka-Nationalparks liegt am Rande des Polarkreises. Über die Gebiete nördlich davon senkt sich jedes Jahr die Polarnacht.
Wie wandert man im Winter?
Winterwandern ist am sichersten für diejenigen, die über fundierte Erfahrung mit Trekking unter verschiedenen Bedingungen verfügen. Achten Sie immer auf die Wettervorhersage und informieren Sie jemanden über Ihre Route und Ihren Zeitplan. Zur unverzichtbaren Ausrüstung gehören ein Erste-Hilfe-Set, Ersatzkleidung, ausreichend Proviant, ein Kocher, eine Stirnlampe und ein geeigneter Winterschlafsack sowie eine schützende Unterkunft.
Im Winter bewegt man sich entweder auf Skiern oder Schneeschuhen fort. Die Ausrüstung wird in einem Rucksack transportiert oder, was häufiger der Fall ist, auf einem Schlitten hinter sich hergezogen.
Anfänger sollten zunächst mit Tagesausflügen beginnen, um mehr Erfahrung zu sammeln. Der Spätwinter bietet oft günstigere Bedingungen als der Hochwinter: Die Schneedecke ist eher fest und es bleibt länger hell.
Wanderwege, Parks und Hütten in Finnland
Finnland verfügt über ein ausgedehntes Netz an markierten Wanderwegen. Alle 41 Nationalparks in Finnland sind ganzjährig frei zugänglich. Informieren Sie sich immer über die örtlichen Vorschriften, da Camping in der Regel nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt ist. Viele Parks bieten Schutz- und Wildnishütten zum Übernachten.
Die Hüttenetikette ist einfach: Machen Sie Platz für diejenigen, die nach Ihnen ankommen, lassen Sie gehacktes Brennholz zurück und reinigen Sie die Hütte, damit sie mindestens so ordentlich ist wie bei Ihrer Ankunft. Weitere Informationen über finnische Nationalparks und Hütten finden Sie online auf der Website Luontoon („in die Natur“).
Text und Fotos von Emilia Kangasluoma, Februar 2026