In Finnisch-Lappland verzaubern die Nordlichter Besucher für den Rest ihres Lebens

Finnland ist einer der weltweit besten Orte, um die magischen, möglicherweise lebensverändernden Nordlichter (Aurora Borealis) zu sehen und zu fotografieren. Wir sprechen mit Menschen, die sie gesehen haben – und beschlossen haben, endgültig nach Finnisch-Lappland zu ziehen.

Zu den finnischen Vorzügen für die Beobachtung von Nordlichtern zählen der landesweite Zugang zu Orten mit relativ geringer oder gar keiner Lichtverschmutzung, die nördliche Lage, eine Beobachtungssaison, die bereits Ende August beginnt und bis Ende April dauert, sowie fachkundige lokale Führung.

Die Nordlichter sind in Südfinnland häufiger zu sehen, als man denkt, aber Nordlichtjäger wissen, dass die Chancen steigen, je weiter man nach Norden kommt. Menschen aus aller Welt reisen nach Finnisch-Lappland (umfasst in etwa das nördlichste Drittel Finnlands), in der Hoffnung, diesen Punkt von ihrer Bucket List streichen zu können. Sie verstehen nicht immer, dass das Phänomen nicht auf Kommando auftritt und durch bewölktes Wetter verdeckt werden kann. Doch wenn sie Glück haben, sind sie vielleicht so verzaubert von ihrer ersten Begegnung mit den Nordlichtern, dass sie beschließen, für immer zu bleiben.

Paul Swallow aus Großbritannien und Aggie Olek aus Polen, die gemeinsam die Luxus-Lodge Levi Foxfires in der Nähe des Ferienorts Levi in Nordfinnland betreiben, sind Beispiele dafür, wie die Nordlichter das Leben eines Menschen grundlegend verändern können. „Foxfires“ ist eine Übersetzung des finnischen Namens für die Nordlichter, „revontulet“, und bezieht sich auf eine der vielen farbenfrohen Volkssagen über dieses Phänomen, nämlich dass es durch Funken entsteht, die vom Schwanz eines riesigen Fuchses sprühen, wenn dieser über die nördlichen Fjelllandschaften rennt.

Olek erinnert sich an die erste Begegnung des Paares mit den Nordlichtern im Jahr 2014: „Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Wir wünschen allen, dass sie dieses Gefühl eines Tages erleben können. Dieser Urlaub hinterließ in unseren Herzen den starken Wunsch, die Nordlichter immer wieder zu sehen. Doch wir ahnten nicht, dass sich unser Traum, sie regelmäßig zu sehen, schon in wenigen Jahren erfüllen würde. Wir kamen nach [dem nordfinnischen Ferienort] Levi, und nach einem eintägigen Urlaub hier waren wir uns sicher, dass Levi der Ort war, an dem wir leben wollten. Und die Nordlichter waren das Tüpfelchen auf dem i.“

Für Nordlicht-Fans ist das erste Erlebnis unvergesslich, doch die Ehrfurcht vor zukünftigen Beobachtungen bleibt ungebrochen. Olek und Swallow mögen zwar erfahrene Nordlichtbeobachter sein, doch sie teilen auch die Begeisterung von Neulingen.

Emotionale Reaktionen

Die Form und Anordnung der Nordlichter verändert sich vor Ihren Augen.

Streifen aus violettem, rosa und grünem Licht erstrecken sich über den dunklen Himmel in Nordfinnland.

Als der deutsche Fotograf und Nordlicht-Reiseleiter Thomas Kast 1998 als Student in Finnisch-Lappland ankam, war alles neu und überwältigend. „Als ich die Nordlichter zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich es kaum glauben“, sagt er. „So etwas hatte ich am Nachthimmel noch nie gesehen. Ich hatte auch noch nicht viel über dieses Phänomen gehört und hatte gar nicht geplant, es zu sehen.

Damals gab es noch keine Digitalkameras, keine sozialen Medien und keine großen Nachrichtenberichte über Sichtungen. Ich wusste nicht, was diese ‚Lichter‘ in Zukunft für mich bedeuten würden. Aber im Laufe der Jahre habe ich viele emotionale erste Reaktionen meiner Gäste auf die Aurora borealis gesehen, und ich bin so froh, dass sie das, was sie erleben, zu schätzen wissen. Ich selbst kann mir nicht vorstellen, an einem Ort zu leben, an dem die Nordlichter extrem selten oder gar nie zu sehen ist. Das würde eine große Lücke in meinem Herzen hinterlassen.“

Der französische Fotograf Rayann Elzein ist ein Arktis-Reiseveranstalter, der sich in der Stadt Utsjoki an der finnischen Nordgrenze niedergelassen hat. Er erinnert sich noch lebhaft an den Nervenkitzel bei seiner eigenen ersten Sichtung und daran, wie dies seine Begeisterung für die Nordlichter weckte.

„Es war 2011 gegen Ende der Saison, Ende März“, sagt er. „Nach umfangreichen Recherchen auf der Suche nach dem besten Ort landete ich schließlich in [dem weit nördlich gelegenen Dorf] Inari. Nur wenige Stunden nach meiner Ankunft in meiner Unterkunft leuchtete der Himmel in allen Schattierungen von Grün, Rosa und Violett auf, und bis heute war dies eines der schönsten Spektakel, die ich je gesehen habe. Seitdem bin ich Feuer und Flamme!“

Beeindruckend und unvorhersehbar

Streifen aus violettem, rosa und grünem Licht erstrecken sich über den dunklen Himmel über den verschneiten, sich als Silhouetten abzeichnenden Bäumen in Tapaninvainio, Finnland.

Zwar ist es möglich, die Nordlichter auch in Südfinnland zu beobachten (dieses Foto stammt aus dem Helsinki-Vorort Tapaninvainio), doch steigen Ihre Chancen, wenn Sie weiter nach Norden fahren.

Elzein warnt vor einem Trend, bei dem Unternehmen vorgeben, Nordlicht-Sichtungen garantieren zu können: „Auf unserem Instagram-Account informieren wir unsere Follower über viele Aspekte Lapplands, und das ist eines der Dinge, die wir immer wieder betonen – Nordlichter lassen sich nicht garantieren.“

Die Nordlichter folgen 11-jährigen Sonnenaktivitätszyklen, und 2026 ist ein besonders aktives Spitzenjahr. Doch wie bei den meisten Naturphänomenen lässt sich die Aktivität nicht immer leicht vorhersagen, und jedes Jahr kann beeindruckende Spektakel bieten.

„Ich erinnere mich an eine Nacht während des sogenannten Sonnenminimums“, sagt Kast. „In einer kalten Februarnacht fotografierte ich eine wundervolle, majestätische Aurora – eine wunderschöne Nacht. Es war schon spät, und ich packte meine Ausrüstung zusammen und machte mich auf den Weg zurück zum Auto. Da schien jemand am Himmel ein Licht anzuschalten, und eines der verrücktesten Korona-Spektakel, die ich je erlebt habe, begann. Ich sank auf die Knie, und eine riesige Welle von Emotionen überkam mich. Die Aurora war so stark, dass ich die Schatten der Bäume auf dem Schnee sehen konnte. Etwa eine Minute später war es vorbei. Wenn ich daran zurückdenke, bekomme ich immer noch Gänsehaut.“

Text und Fotos von Tim Bird, September 2026