Warum Filmemacher aus aller Welt immer wieder nach Finnland kommen

Seen, Wälder und auffallend ungewöhnliche Stadtlandschaften verleihen Finnland filmische Vielfalt, doch die eigentlichen Anziehungspunkte für ausländische Filmproduktionsfirmen sind Effizienz, Komfort und Förderprogramme.

Finnland zieht ausländische Filmproduktionen mit kompetenten, englischsprachigen Teams und einer Kultur des Vertrauens an, die für beeindruckende Ergebnisse sorgen und gleichzeitig einen reibungslosen Ablauf gewährleisten.

Die Region Koli im Osten Finnlands, die teilweise aus einem Nationalpark besteht, ist seit langem eine Quelle künstlerischer Inspiration. Ihre weitläufigen Ausblicke auf Seen und schneebedeckte Baumkronen verzaubern Maler und Komponisten seit Jahrhunderten.

Die englische Schauspielerin Emma Thompson, die 2025 den Action-Thriller The Dead of Winter in Koli drehte, legte Wert darauf, einen Brief zur Veröffentlichung an „Helsingin Sanomat“ zu schicken, bei der es sich um Finnlands führende Zeitung und gleichzeitig die auflagenstärkste Tageszeitung in den nordischen Ländern handelt.

„Von dem Moment an, als ich landete“, schrieb Thompson, „wurde ich mit Freundlichkeit und Herzlichkeit, mit tiefer Gastfreundschaft und Humor von Menschen empfangen, so dass sich mein Aufenthalt in Koli immer mehr wie ein Zuhause anfühlte.“

Die Produktion kam nicht zufällig dorthin. Koli galt als perfekte Kopie von Minnesota, als am ursprünglichen Drehort in den USA kein geeigneter Schnee gefunden werden konnte. Für das lokale Team in Finnland waren Temperaturen unter Null ganz normal.

Variety und andere internationale Medien griffen die Nachricht auf, dass Thompson von ihren Dreharbeiten in Finnland so begeistert war.

„Ich würde Kollegen aus meiner Branche von ganzem Herzen dazu ermutigen, ihre Produktionen hierher zu verlegen“, schrieb sie. „Wenn ihr dramatische Landschaften braucht, findet ihr sie hier; wenn ihr mutige, einfühlsame und unerschütterliche Crewmitglieder braucht, findet ihr sie hier; wenn ihr Komfort und ein heimeliges Leben braucht, findet ihr es hier.“

Polarsterne

Die Schauspielerin Glenn Close ist zusammen mit ihrer Co-Darstellerin Emily Matthews zu sehen, umgeben von einem Kamerateam während der Dreharbeiten zum Film The Summer Book, der auf einem Buch der finnischen Autorin und Künstlerin Tove Jansson basiert.

Glenn Close genoss während der Dreharbeiten zu The Summer Book die finnische Küstenlandschaft und wohnte in dem Haus, das für die Produktion genutzt wurde.
Foto: Roxana Reiss

Thompsons Eindruck ist keineswegs ein Einzelfall. In den letzten Jahren haben immer mehr internationale Stars in Finnland gedreht, wobei jeden von ihnen andere Aspekte der Kultur angezogen haben.

Glenn Close beispielsweise genoss die Ruhe an der finnischen Küste während der Dreharbeiten zu The Summer Book, einer Verfilmung des Romans der finnischen Künstlerin und Autorin Tove Jansson, die hauptsächlich auf der Insel Rankki im Archipel vor der Küste der südfinnischen Stadt Kotka gedreht wurde. Sie wohnte während der gesamten Produktion in dem Haus, das für die Dreharbeiten genutzt wurde, und beschrieb die Erfahrung später als „außergewöhnlich“.

Für Jason Segel war es die finnische Work-Life-Balance. Während der Dreharbeiten zu „Over Your Dead Body“, der 2026 auf dem SXSW Premiere feierte, war der Zeitplan weniger gnadenlos als er es gewohnt war.

Breaking Bad-Star Aaron Paul staunte unterdessen während der Produktion von Dual im Jahr 2022 in der westfinnischen Stadt Tampere über die schiere Fülle an Saunen – darunter eine direkt in seinem Hotelzimmer.

Solche großen Namen haben Gewicht. Laut Fanny Heinonen, Programmdirektorin von Film Tampere, ist das jüngste Wachstum auch das Ergebnis des Zusammenspiels mehrerer Faktoren.

„Zum einen genießt Finnland zumindest europaweit bereits einen guten Ruf, wenn es um das Filmemachen geht“, erklärt Heinonen. „Zum anderen wurden – sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene – Förderprogramme aufgelegt, sodass die Infrastruktur und die Finanzierung bereitstehen.“

Eine kombinierte Rückerstattung von bis zu 40 Prozent der während der Produktion anfallenden Kosten sorgt für ein überzeugendes Endergebnis.

„Geld zählt, besonders beim ersten Mal“, sagt Heinonen. „Wenn es auf dem Papier keinen Sinn ergibt, dann ergibt es auch sonst keinen Sinn.“

Vom Drehort zur Zusammenarbeit

Drei Personen in Winterkleidung stehen auf einem schneebedeckten Gipfel mit Blick auf einen See mit Inseln in Koli, Ostfinnland.

Der Blick vom Koli auf den See und die schneebedeckten Wälder inspirieren Künstler seit Jahrhunderten. Nun ziehen sie internationale Filmproduktionen nach Norden.
Foto: Jussi Helttunen/Visit Finland

Ein weiterer Faktor für Finnlands Aufstieg auf der Leinwand ist das Ökosystem, das das Land gemeinsam mit internationalen Partnern aufgebaut hat.

Einer davon ist XYZ Films, eine in Los Angeles ansässige Produktionsfirma, die eine Reihe von Produktionen nach Tampere gebracht hat, darunter auch jene mit Segel und Paul in den Hauptrollen. XYZ hat für die Netflix-Produktion Havoc mit Tom Hardy in der Hauptrolle auch das lokale Spezialeffektstudio Troll VFX engagiert.

Was hat XYZ also dazu bewogen, immer wieder zurückzukommen?

„Die Vertrautheit mit Finnland, die Förderungen, das Kennen der Crews und die harte Arbeit, die damit einhergeht“, sagt Aram Tertzakian, Mitbegründer von XYZ.

„Wären die lokalen Schauspieler nicht großartig – sie hatten in allen Filmen, die wir hier gedreht haben, große Rollen –, hätten die Filme keine Chance gehabt.“

Ein Aspekt der Dreharbeiten in Tampere überrascht Produzenten, die an den Stau in Los Angeles gewöhnt sind, immer wieder.

„Es dauert wirklich nur etwa 30 Minuten, ein Studio, die Nokia Arena, den Wald und die Landschaft zu besichtigen – und dann zum Abendessen zu kommen“, sagt Heinonen von Film Tampere lachend. „Man muss keine stundenlangen Staus in die Drehpläne einplanen.“

Jenseits von Hollywood

Eine Filmcrew der Serie Blood & Sweat dreht eine Szene in einer verschneiten Landschaft mit einem See im Hintergrund.

Temperaturen unter null Grad sind für finnische Crews, die an Produktionen wie Blood & Sweat arbeiten, nichts Ungewöhnliches. Die Serie, eine finnisch-japanische Gemeinschaftsproduktion, signalisiert Finnlands wachsende Rolle im globalen Storytelling.
Foto: Annamaria Palsi-Ikonen/Production ICS Nordic

Trotz des ganzen Glanzes von Tinseltown, der Tampere derzeit umgibt, merkt Heinonen an, dass andere Kooperationsmärkte im Blickfeld liegen.

„Unsere Strategie beschränkt sich nicht nur auf LA oder Hollywood“, sagt Heinonen. „Da ist noch die ganze übrige Welt.“

Internationale Partnerschaften tragen bereits Früchte. Die Premiere der Serie Blood & Sweat im Frühjahr 2026, die von der in Tampere ansässigen ICS Nordic koproduziert wird und in der Anne Watanabe und Jasper Pääkkönen die Hauptrollen spielen, markiert ein neues Kapitel. Das Drama, das sich über Finnland und Japan erstreckt, zeigt, wie Geschichten, die in Finnland entwickelt wurden, ein weltweites Publikum erreichen.

Doch für Heinonen hängt der jüngste Erfolg Finnlands von mehr ab als nur von Fördermitteln oder Drehorte.

„Es läuft alles auf Partnerschaft und Vertrauen hinaus“, sagt sie. „Hier geht es ums Geschäft. Es gibt viele andere Länder mit Steuervergünstigungen – Palmen, weißer Sand, jede Menge Optionen. Wenn man keine guten Erfahrungen macht, warum sollte man dann zurückkehren?“

Von James O’Sullivan, Juni 2026