Finnland nutzt Lernmethoden der Zukunft

Die Engaging Learning Environment, Teil von Helsinkis Jahr als Welt-Designhauptstadt 2012, zeigt, wie sich Technologie und Unterricht kombinieren lassen.

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Engaging Learning Environment, ein Projekt im Rahmen von Helsinkis Jahr als Welt-Designhauptstadt 2012, stellt zukünftige Lernmethoden und -umgebungen vor, bei denen neue Technologien und Lehrverfahren kombiniert werden.

Die Idee hinter dem Projekt ist die Nutzung aktiver und nützlicher Lernmethoden anstelle des traditionellen Konzepts „Vortragen und zuhören“. Technologie spielt hier eine wichtige Rolle, denn sie unterstüzt das Lehren und Lernen durch einen aktiven, praktischen Ansatz.

Zu den Hauptakteuren bei diesem Projekt gehört Kirsti Lonka, Dozentin für Bildungspsychologie an der Universität Helsinki. „Wir haben in den 1980er Jahren mit der Entwicklung aktiver Lernmethoden begonnen“, sagt sie. „Durch den physischen Raum und die Technologie lässt sich nicht wirklich etwas bewirken. Auf die pädagogische Idee kommt es an. Der Schwerpunkt liegt auf den Studenten und den Aktivitäten für Studenten sowie auf der Strukturierung und dem Empfangen von Informationen.“

Ein Labor für lebenslanges Lernen

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Smartphones, iPads und andere Technologien gehören zu einem typischen Tag im Lern-Labor. Foto: Annika Rautakoura

Der Minerva Plaza, ein Lern-Labor in den Einrichtungen der Fakultät für Verhaltenswissenschaften an der Universität, besteht aus einem Raum, der in eine architektonisch innovative Lernumgebung umgebaut wurde. Dort werden Technologien in größeren und kleineren Räumen für unterschiedlich große Gruppen und verschiedene Veranstaltungen eingesetzt.

„Dies ist eine Lernumgebung der Zukunft für Lehrer und Studenten und die dort abgehaltenen Tagungen können auch in Schulen umgesetzt werden“, sagt Projektleiter Oskari Salmi. „Die Idee ist, die Technologie nicht zu überflügeln, sondern Lehrern beizubringen, sich diese Technologie zunutze zu machen. Wichtig ist hier die Wandelbarkeit des Raums, damit dort auch andere Methoden angewendet werden können, etwa das Schauspiel.“

In dem Labor gibt es 12 iPads und 12 Nokia Lumia-Smartphones, die für die Nutzung in diesem Raum konfiguriert wurden. Sie verwenden die App Flinga des finnischen Neuunternehmens Nordtouch, mit dem Mobilgeräte mit Lehrhilfen in Klassenzimmern verbunden werden können. Bilder können auf allen Bildschirmen im Minerva Plaza angezeigt werden, auch in den kleineren Räumen, und jeder kann den Inhalt bearbeiten. Mithilfe der Geräte kann sich der Student beteiligen, indem er das gleiche Dokument bearbeitet, das alle anderen auch sehen.

In einer Übung stellen sich Studenten vor, indem sie Bilder von sich über die iPads an den großen Hauptbildschirm senden und den Bildern dann die richtigen Namen zuordnen. Studenten können mit den iPads auch bestimmten Aktivitäten Farben als Zeichen der Motivation zuweisen.

Mit zukünftigen Lehrmethoden experimentieren

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Lauri Vaara, einer der Organisatoren des Minerva Plaza, verschiebt während einer Lernsitzung Begriffe auf dem Bildschirm. Foto: Annika Rautakoura

„Das Labor ist ein Ort, an dem man sicher mit neuen und anderen Verfahren experimentieren kann“, meint Lauri Vaara, Student der Bildungspsychologie und einer der Organisatoren des Minerva Plaza. „Alle hier gesammelten Erkenntnisse können auch für Vorlesungen an Universitäten, Gesamtschulen, in der Oberstufe von Gymnasien sowie bei Firmenschulungen eingesetzt werden. Es stellt eine Herausforderung dar, spannende Vorlesungen und Lehrmethoden zu entwickeln, um herauszufinden, wie wir Technologien nutzen können und wie neue Technologien die Möglichkeit für neue pädagogische Maßnahmen bieten.“

Derzeit wird das Labor von den Abteilungen für Lehrerausbildung und Verhaltenswissenschaften zu Bildungszwecken genutzt. Ziel ist es, auch externe Veranstaltungen wie Firmenschulungen zu organisieren, wenn die Räumlichkeiten von der Universität nicht benötigt werden.

Die Lernorte können aufgeteilt und zusammengeführt werden und sind vollkommen schalldicht. Dank einer großen Glaswand lässt sich alles überblicken, ein wichtiger Aspekt des aktiven Lernens. „In dieser Umgebung kann man üben, wie es sich anfühlt, wenn dich jemand beobachtet“, sagt Vaara.

Lonka bezeichnet den Ort als neofunktionalistisch: „Er sollte schön, benutzerfreundlich und inspirierend sein. Es ist ein Ort, an dem sich Menschen treffen und ihre Begeisterung teilen können.“

Die Lektionen der Engaging Learning Environment werden auch nach Helsinkis Jahr als Welt-Designhauptstadt durchgeführt und der Minerva Plaza wird auch weiterhin als Lernumgebung zur Verfügung stehen. Das Projekt ist Teil von RYM-SHOK, einem strategischen Zentrum für Wissenschaft, Technologie und Innovation in der bebauten Umwelt, und wird unter dem RYM Indoor Environment Programme als „Living Lab“ weiterentwickelt.

Living Labs ebnen den Weg für dauerhafte innovative Lernumgebungen der Zukunft. Angesichts der Fortschritte im Bereich der Technologie und der Bildungsforschung können diese Umgebungen in Zukunft sehr unterschiedlich aussehen.

Von Annika Rautakoura, Dezember 2012

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