In Design gehüllt: Finnlands Textilkunst im EMMA

Etwas außerhalb von Helsinki lädt das Espoo Museum of Modern Art (EMMA) Besucher in die Welt der finnischen Textilkunst ein, in der kräftige Muster und innovative Techniken sowohl Mode als auch Design geprägt haben.

Finnland hat zwar eine lange Tradition handgefertigter Textilien, doch die industrielle Produktion im 20. Jahrhundert eröffnete neue kreative Möglichkeiten. Designer nutzten Stoffe als Medium und schufen einige der weltweit bekanntesten Muster.

Die Ausstellung „Draped: Art of Printed Fabrics“ (bis zum 14. März 2027) im EMMA beleuchtet diese Entwicklung und zeigt die historische und künstlerische Bedeutung des finnischen Textildesigns.

Ein Museum voller Stoffe

Eine blau beleuchtete Skulptur steht in der Abenddämmerung vor dem Museum EMMA, dessen beleuchteter Eingang durch die umliegenden Kiefern hindurch sichtbar ist.

EMMA befindet sich in einer ehemaligen Druckerei. In den weitläufigen Innenräumen des brutalistischen Betongebäudes aus den 1960er Jahren standen ursprünglich große Druckmaschinen.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Localizado a oeste de Helsinque, em um bairro chamado Tapiola, no município de Espoo, o EMMA hoje ocupa o

Das EMMA befindet sich westlich von Helsinki in Espoo im Stadtteil Tapiola und ist in einer ehemaligen Druckerei untergebracht. Seine weitläufigen, lichtdurchfluteten Räume bieten den perfekten Rahmen für eine eindrucksvolle Ausstellung von Farben, Mustern und Textilkunst.

Die Ausstellung umfasst Werke von über 30 Künstlern und erstreckt sich über fast ein Jahrhundert, von den 1930er Jahren bis heute. Sie stellt Pioniere der finnischen Textilkunst vor, darunter frühe Wegbereiter wie Aino Marsio-Aalto, Maija Isola, Vuokko Eskolin-Nurmesniemi und Howard Smith – Designer, deren Arbeit eng mit ikonischen finnischen Marken wie Artek, Marimekko und Vallila verbunden ist.

Die Auswahl reicht von klassischen kommerziellen Mustern bis hin zu experimentellen Werken, die das Textildesign in neue künstlerische Richtungen vorantreiben.

Von Alltagsgegenständen bis zu ikonischen Designs

Eine Besucherin steht mit verschränkten Händen da und betrachtet Maija Isolas Textildruck mit dem Birnenmuster „Päärynä“.

Maija Isolas „Päärynä“ (Birne) zeigt Isolas Vorliebe für großflächige Muster, mit denen sie ihre Naturbeobachtungen in kräftige, grafische Textilformen umsetzt.
Foto: Paula Virta / EMMA

Eines der Highlights der Ausstellung ist Maija Isolas Muster „Päärynä“ (Birne), das sie 1969 für Marimekko entworfen hat. Dieses verspielte, organische Design zeigt eine stilisierte Birne in einer markanten, grafischen Komposition und spiegelt Isolas Fähigkeit wider, die Natur auf auffallend moderne Weise einzufangen.

Isola malte ihre Entwürfe oft von Hand über die gesamte Breite des Stoffes, da sie der Meinung war, dass die industrielle Kunst die Freiheit handgemalter Designs brauchte, um lebendig zu bleiben. Dieser Ansatz führte zu Werken, die die farbenfrohe Ausdruckskraft handgefertigter Kunst mit der kühnen Einfachheit minimalistischen Designs verbanden. Als eine der einflussreichsten Designerinnen von Marimekko trug Isola zur Gestaltung der ikonischen Bildsprache der Marke bei, und ihre Arbeit ist nach wie vor ein wichtiger Teil ihres Vermächtnisses.

Der „Tibet“-Stoff von Vuokko Eskolin-Nurmesniemi zeigt abwechselnd schwarze und blaue Felder, die von gleichmäßig verteilten weißen horizontalen Linien durchzogen sind.

In „Tibet“ machte Vuokko Eskolin-Nurmesniemi die kleinen Unregelmäßigkeiten des manuellen Drucks zu einem charakteristischen Merkmal, indem sie versetzte Linien und offene Flächen zu einem Teil des Designs werden ließ.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Ein weiteres herausragendes Beispiel ist „Tibet“ von Vuokko Eskolin-Nurmesniemi. 1952 bat Marimekko-Gründerin Armi Ratia um ein Muster ähnlich wie „Oomph“ von Viola Gråsten doch Nurmesniemi verfolgte einen anderen Ansatz und schuf ein Design mit kräftigen, abstrakten Farbfeldern und unbedruckten Bereichen, die die leichten Unregelmäßigkeiten des manuellen Drucks aufgriffen.

Das Ergebnis war so modern, dass Ratia Nurmesniemis einzigartige kreative Vision erkannte und ihr ermöglichte, neue Wege innerhalb der Marke zu beschreiten, wodurch „Tibet“ zu einem prägenden Werk in der finnischen Textilgeschichte wurde.

Der in den USA geborene Künstler Howard Smith hat ebenfalls bleibende Spuren in der finnischen Textilkunst hinterlassen. Er kam 1962 im Rahmen einer amerikanischen Kunstausstellung nach Finnland – ohne zu wissen, dass diese von der CIA organisiert worden war – und machte das Land schnell zu seiner Heimat. 1968 wurde er von Vallila beauftragt, 25 Muster zu entwerfen, von denen die Hälfte produziert wurde.

Sein Entwurf „Makeba“ – benannt nach der Sängerin und Bürgerrechtlerin Miriam Makeba – wird bis heute hergestellt. Smith sah in Blumen eine Möglichkeit, seine Leidenschaft für die Natur zum Ausdruck zu bringen, und schuf kühne, rhythmische Muster, die Schönheit und Frieden in den Alltag brachten. Außer Designs für Textilien schuf er auch das noch heute verwendete Logo von Vallila.

Innovation in der Textilkunst

Zwei Besucherinnen stehen neben großen hängenden Textilien mit geschichteten, organischen Mustern in erdigen Rot- und Blautönen.

Hängende Stoffe aus dem Projekt „New Landscapes in Textile Design” zeigen, wie durch das Experimentieren mit digitalen Werkzeugen und traditioneller Webtechnik nachhaltigere Textilien hergestellt werden können.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Die Ausstellung stellt auch zeitgenössische Innovationen im Textildesign vor. Ein Projekt mit dem Titel „New Landscapes in Textile Design” unter der Leitung der Designerinnen Maija Fagerlund, Emilia Kuurila, Maarit Salolainen und Anna Semi von der Aalto-Universität ist Teil der EMMA-Ausstellung. Es untersucht Möglichkeiten, die Umweltauswirkungen der Textilproduktion zu reduzieren.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt auf der Herstellung nachhaltigerer Textilien und der Minimierung von Abfall durch die Wiederverwendung von Garnresten und die Kombination traditioneller Jacquardweberei mit digitalem Pigmentdruck. Digitale Werkzeuge spielen eine entscheidende Rolle bei der Effizienzsteigerung der Jacquardweberei, da sie präzise, komplexe Muster mit weniger Materialabfall ermöglichen und neue Möglichkeiten für nachhaltiges Design bieten.

Die Designerin und Aalto-Absolventin Sabina Simonsen sagt: „Als traditionsreiches Fachgebiet ist Textildesign naturgemäß eng mit den verwendeten Materialien verknüpft. Seine Auswirkungen auf die Umwelt sind zwar unbestreitbar, aber keineswegs unveränderlich. Die naturalistischen Entwürfe des Projekts „New Landscapes in Textile Design“ gehen über ihren künstlerischen Ausdruck hinaus und veranschaulichen das nachhaltige Potenzial des Designs mit hybriden Techniken – sie schaffen neue Traditionen im Textildesign.“

Erbe und Zukunft des finnischen Textildesigns

Große Textilien mit auffälligen grafischen Mustern und kontrastierenden Farben hängen im einen Galerieraum des Museums EMMA.

Kräftige Drucke und experimentelle Techniken zeigen, wie Textilien die Designsprachen Finnlands prägten.
Foto: Ari Karttunen / EMMA

Für alle, die sich für finnisches Design interessieren, bietet die Ausstellung einen Einblick in die Muster und Texturen, die die künstlerische Landschaft des Landes geprägt haben. Von ikonischen Werken von Designern wie Maija Isola und Vuokko Eskolin-Nurmesniemi bis hin zu zeitgenössischen Innovationen für mehr Nachhaltigkeit zeigt die EMMA-Ausstellung, wie finnische Textilien auch weiterhin Tradition und Kreativität miteinander verbinden.

Von Tyler Walton, März 2026