Finnisches Unternehmen entwickelt innovative Sandbatterie

Polar Night Energy hat ein thermisches Energiespeichersystem entwickelt, das erneuerbare Energiequellen ergänzt und unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert.

Wenn Sie jemals nachts barfuß am Strand entlanggelaufen sind, haben Sie sicher bemerkt, dass der Sand auch nach Sonnenuntergang noch warm bleibt. Ein finnisches Unternehmen nutzt die thermischen Eigenschaften von Sand, um Wärmespeicherbatterien herzustellen, die eine wichtige Rolle bei der Deckung des weltweiten Energiebedarfs spielen könnten.

„Mein Co-Founder Markku Ylönen und ich haben uns an der Technischen Universität Tampere kennengelernt“, sagt Tommi Eronen, CEO von Polar Night Energy.

„Wir interessierten uns für Energietechnologie, Kraftwerkstechnik und Energiespeicherung. Uns war klar, dass der Energiesektor aufgrund des Wachstums der erneuerbaren Energien Speicherkapazitäten benötigte.“

Das Problem bei Solarenergie und Windkraft ist, dass sie Strom erzeugen, wenn die Bedingungen dafür günstig sind, nicht aber unbedingt gerade dann, wenn die Menschen die Energie benötigen. Die Lösung besteht darin, diese Energie irgendwie zu speichern, beispielsweise in Lithium-Ionen-Batterien, die jedoch teuer sein können und nur eine kurze Speicherdauer haben.

„Eine Batterie kann Energie vielleicht nur für ein paar Stunden speichern, aber wir müssen Energie für Tage speichern“, sagt Eronen. „Unsere Lösung besteht darin, diese Energie als Wärme in festen Materialien zu speichern.“

Erneuerbare Energie speichern

Zwei lächelnde Männer in langärmeligen Hemden posieren entspannt.

CEO Tommi Eronen (links) und CTO Markku Ylönen (rechts) begannen während ihres Studiums an der Technischen Universität Tampere mit der Entwicklung ihrer Thermobatterie.
Foto: Polar Night Energy

Polar Night Energy wurde 2018 gegründet und hat Sandbatterien entwickelt, die weltweit auf Interesse stoßen. Sie wurden in der BBC vorgestellt und vom TIME Magazine zu einer der besten Erfindungen des Jahres 2025 gekürt.

Obwohl das Erhitzen von Sand einfach erscheint, liegt die eigentliche Stärke des Unternehmens in seinen patentierten Systemen zum Laden und Entladen der Wärme, die diese Energie mit minimalen Verlusten übertragen.

Wärme kann aus erneuerbaren Energien gewonnen oder aus industriellen Quellen wie Fabriken oder Rechenzentren zurückgewonnen werden.

Die Wärme wird in riesigen Sandsilos gespeichert, bis sie für Fernwärme oder industrielle Prozesse benötigt wird.

„Es gibt viele Industrieunternehmen, die Heißluft oder Dampf zur Bereitstellung von Wärmeenergie benötigen, beispielsweise in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, der Holzindustrie, der chemischen Industrie, der Pharmaindustrie und der Textilindustrie“, sagt Eronen. „Früher mussten sie fossile Brennstoffe wie Öl und Gas verwenden, aber jetzt haben sie eine Alternative.“

Beträchtliche Nachhaltigkeitsvorteile

Die verbesserte Nachhaltigkeit von Sandbatterien ist eines ihrer größten Verkaufsargumente, und für Eronen ist die Senkung der CO2-Emissionen eines der Hauptziele.

„Im Vergleich zu Verbrennungssystemen haben wir im Werk von Loviisan Lämpö in Pornainen in einem Jahr 600 Tonnen CO2-Emissionen eingespart“, sagt er. „Für mich ist die Reduzierung der Emissionen zur Erreichung der weltweiten Klimaziele eine persönliche Herausforderung.“

Kreislauflösung mit Specksteinabfällen

Eine Luftaufnahme zeigt ein Silo, ein kleines Industriegebäude und einen kleinen, von Bäumen umgebenen Parkplatz.

Die Sandbatterien des Unternehmens heizen über die finnischen Fernwärmenetze Wohnhäuser und Unternehmen.
Foto: Polar Night Energy

Polar Night Energy betreibt zwei kommerzielle Sandbatterien, eine in Kankaanpää nahe der finnischen Westküste und eine in Pornainen im Süden Finnlands. Die Sandbatterie in Kankaanpää wurde 2022 in Betrieb genommen und kann 8 MWh speichern, die im Fernwärmenetz der Region genutzt werden.

Die Sandbatterie in Pornainen wurde 2025 in Betrieb genommen und ist mit 100 MWh wesentlich größer. Sie kann Warmwasser, Dampf oder Luft mit Ausgangstemperaturen von bis zu 400 °C liefern. Das 2.000 Tonnen fassende Silo ist etwa 4 Meter breit und 7 Meter hoch. Eine hochentwickelte Software steuert, wann Wärme erzeugt und abgegeben wird – und minimiert so die Kosten. Außerdem teilt es die Wärme mit dem Fernwärmenetz und ersetzt damit eine Anlage, die Holzhackschnitzel verfeuert hat.

„In Pornainen verwenden wir zerkleinerten Speckstein zur Wärmespeicherung, ein Nebenprodukt aus der Kaminproduktion der Firma Tulikivi“, sagt Eronen. „Dies zeigt, dass wir sandähnliche Materialien und keinen teuren Flusssand verwenden können. Es gibt einen weltweiten Mangel an Flusssand, der im Bauwesen verarbeitet wird.“

Kommt als nächstes die Stromerzeugung?

Zwei Personen in Schutzkleidung halten lächelnd eine Handvoll zerkleinerten Speckstein.

Obwohl sie Sandbatterie genannt wird, kann die Lösung des Unternehmens auch andere Materialien wie Specksteinabfälle verwenden.
Foto: Polar Night Energy

Das 24-köpfige Team von Polar Night Energy arbeitet außerdem an einer Lösung, um gespeicherte Wärme wieder in Strom umzuwandeln. Wenn dies richtig funktioniert, könnten Sandbatterien nicht nur zum Heizen von Häusern und zur Unterstützung von Fabriken verwendet werden, sondern sogar für Beleuchtung und zum Laden von Elektrofahrzeugen. Um zu expandieren, sind sie derzeit auf der Suche nach Partnerschaften mit großen globalen Unternehmen.

„Wir blicken gespannt in die Zukunft und freuen uns über die große Aufmerksamkeit, die wir erhalten haben“, sagt Eronen. „Wir wollen schnell vorankommen und einen positiven Einfluss auf die Welt haben.“

Text von David J. Cord, Januar 2026