In Helsinki lebt es sich am besten

Das Trendmagazin Monocle sagt es klar und deutlich: Wer wissen will, was eine Stadt lebenswert und lebendig macht, schaut sich zuerst einmal Helsinki an.

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Helsinki ist heiß: Das britische Trendmagazin „Monocle“ hat die finnische Hauptstadt in einem neuen internationalen Vergleich zur Stadt mit der weltweit höchsten Lebensqualität gekürt und befindet, dass man sich von ihr einiges abschauen kann.

Helsinki ist liebenswürdig, lebendig und lebenswert, lautet das Urteil einer Studie, in der die international erscheinende Zeitschrift „Monocle“ nun schon zum fünften Mal Städte auf ihre Lebensqualität hin überprüft. „Die unkonventionelle, aber musterhafte Siegerin, Finnlands Hauptstadt, hebt sich durch ihre Zivilcourage hervor, ihre urbanen Ambitionen immer wieder neu zu überdenken, und weil sie das Talent, die Ideen und den Mut besitzt, diese auch umzusetzen“, befindet das britische Magazin.

In seiner Hitliste der 25 lebenswertesten Städte rangierte die finnische Kapitale bislang meist auf Platz fünf, was auch nicht zu verachten war. In der diesjährigen Julinummer führt Helsinki die Liste aber nun an. Die „Tochter der Ostsee“ hat damit München den letztjährigen Rang abgelaufen und Zürich und Kopenhagen auf den zweiten bzw. dritten Platz verwiesen.

„Helsinki befindet sich im Höhenflug“, sagt „Monocle“-Chefredakteur Tyler Brûlé. „Die Kriminalitätsrate ist niedrig, die Beschäftigungslage stabil, das Bildungswesen von Weltklasse, und die Esskultur floriert“, begründet der gebürtige Kanadier die Wahl. Als weitere Faktoren zählt er den Unternehmens- und Innovationsgeist auf, der die „junge, hochqualifizierte und technisch versierte Unternehmenskultur“ der Stadt präge, sowie die Tatsache, dass Helsinkis Infrastruktur – er nennt sie Hardware – im Allgemeinen „traumhaft“ funktioniere. Auch dem reibungslosen öffentlichen Verkehr und der guten medizinischen Versorgung verlieh er Bestnoten.

Lebensqualität wurde in diesem Jahr vom 2007 gegründeten „Monocle“ etwas umdefiniert: „ Bei den Untersuchungen standen 2011 nicht nur die praktischen Einzelheiten der jeweiligen Stadt im Mittelpunkt, sondern ihre Quintessenz“, informiert Brûlé. Die Lebensqualitätsstudie verlieh denn auch solchen Städten Extrapunkte, die nicht bereits um zehn Uhr abends dichtmachen und eine Balance zwischen herkömmlicher und vorausplanender Architektur schaffen. Die globale Verbindung zur Außenwelt, Möglichkeiten, im Freien zu sitzen, Grünflächenareal und Sonnenscheindauer.

Viel Grün, zahlreiche Straßencafés, unzählige Meeresbuchten und durchaus auch Sonne – im Sommer häufig fast rund um die Uhr – machen tatsächlich den Reiz der Landeshauptstadt aus, und wenn es dunkel ist, laden eine vielfältige Palette von Musikveranstaltungen, Kneipen und Restaurants zum Verweilen ein.

Die finnische Hauptstadt befindet sich in der Mitte des größten Ausbaus ihrer Infrastruktur, etwas, was Helsinki in diesem Umfang seit einem Jahrhundert nicht erlebt hat. Und es bereitet sich auf sein Jahr als Welt-Designhauptstadt 2012 vor.

Der Helsinki-Vantaa Flughafen, der immer mehr zur Drehscheibe für Asienflüge wird, sowie die wirtschaftlichen Verbindungen der Stadt zu Wachstumsmärkten wie China, Korea und Indien machen die Stadt laut Brûlé zudem attraktiv.

Da mögen die Helsinkier noch so sehr über bestimmte Mangelerscheinungen ihrer Stadt klagen. Alles ist relativ, und wenn Stil-Ikone Tyler Brûlé wie schon andere vor ihm zu dem Schluss kommt, dass Helsinki die lebenswerteste Stadt der Welt ist, dann haben sie sicherlich Recht!

Helsinki ist heiß: Diashow

 

Von Rebecca Libermann, Juni 2011
Fotos von Amanda Soila